AZUBIS
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Mach dir ein Bild von der täglichen Arbeit in der Altenpflege. Azubis und junge Fachkräfte schreiben über ihren Arbeitsalltag, ihre Erlebnisse und Träume.

Inhaltsverzeichnis

Portraitfoto Uwe

Uwe

Ich mag den Umgang mit den alten Leuten; jeder hat seinen Charakter.

Altenpflege ist ein Geben und Zurückbekommen. Manchmal bekomme ich ein ganz leises „Danke“, das man kaum hört. Aber das ist eben alles, was dieser alte Mensch noch äußern kann und ich verstehe es und freue mich.

Zwischenprüfung

Sorry, dass ich mich lange nicht gerührt habe: ich hatte Zwischenprüfungen und die waren ganz schön anstrengend. Okay, ich habe es gut rumgebracht und war nicht so nervös, aber es war schon viel Stress. Einige Mitschüler waren so nervös, dass es auch schlechte Noten gab. Aber wir haben alle bestanden und das ist eine Erleichterung… Unseren Dozenten ist auch ein Stein vom Herzen gefallen, dass es gut ausgegangen ist.

Aahh, ich freue mich schon auf morgen, da bin ich im ambulanten Pflegedienst. Denke, dass das ist interessant – mal sehen!

Demenz

Heute war unser Gerontolehrer da und wir haben uns über die Demenz und ihre Formen unterhalten. Das war sehr interessant, jetzt kann ich die Krankheit besser verstehen. Okay, er hat uns auch gesagt, dass wir eine Klausur schreiben über das Thema – aber das ist halt Schule.

Den Lehrer finde ich cool. Er berichtet auch von seinen eigenen Erfahrungen, z.B. dass man Spielkonsolen für die Bewegungs-Gedächtnistherapie bei demenzkranken Menschen nutzen kann. Das bringt alten Menschen viel Spaß und Abwechslung und sie haben gar keine Angst vor der „Technik“. Man muss halt immer was Neues ausprobieren: Jeder Mensch ist anders, auch und gerade wenn er alzheimer- oder demenzkrank ist.

Vor- und Nachteile des Jobs

Heute hatten wir in der Schule einen Reflexionstag, auch zum Üben für die Zwischenprüfung. Das war gut, denn wir hatten in ganz kleinen Gruppen mit 4 bis 5 Leuten Unterricht. Trotzdem natürlich stressig, Schichtdienst und Schule. Manchmal schaffe ich es gar nicht mehr, Freunde zu treffen. Aber auch wenn es schwer ist: Die Schule halte ich für wichtig. Ich hoffe, dass ich es schaffe, um irgendwann auch andere anzuleiten.

Meine Freundin ist mir sehr wichtig. Bei ihr kann ich abschalten und über alles reden.

Aber die Arbeit macht mir Spaß. Bei der Wirtschaftskrise haben Menschen in vielen Berufen ihr Vertrauen verloren. Das geht bei uns nicht. Die Bewohner vertrauen uns ihr Leben an.

Ich beschreibe meinen Beruf so: Aufmerksamkeit ist ganz wichtig. Wie ich handle, beeinflusst direkt einen anderen Menschen, der sich mir anvertraut. Und seine Familie. Ich bin das Auge des Arztes, denn ich bin jeden Tag bei den Bewohnern und bekomme Veränderungen mit. Und ich bin sein Assistent, denn ich setze seine Therapie um.

Zusammen lachen

Was mir an meinem Beruf besonders gefällt: Dass ich, wenn Zeit ist, die alten Damen und Herren zum Lachen bringen kann. Dass ich engen Kontakt zu den Bewohnern habe. Wenn ich zum Beispiel zur Frau X ins Zimmer gehe, dann lächelt sie mich an und wir umarmen uns zur Begrüßung. Das ist schwer zu beschreiben oder zu erklären. Ich hoffe, dass das erstmal okay ist. Bis zum nächsten Mal: Uwe.

Vertrauensmomente

Was mich bewegt hat: Einmal hat mich der Sohn einer alten Dame gefragt, was er machen soll. Es ging seiner Mama nicht gut und der Hausarzt wollte sie ins Krankenhaus einweisen. Der Wunsch von der alten Dame war aber: wenn sie sterben muss, will sie hier sterben, im Wohnpark.

Der Sohn fragte mich im Vertrauen unter vier Augen, was ich machen würde. Dieser Moment hat mich sehr bewegt, weil ich mich an meine eigene Oma erinnert habe, und besonders auch, weil ein Mensch, den  ich erst seit einem Jahr kannte, mich um Rat gefragt hat. Einen Schüler im 2. Lehrjahr! Das Vertrauen war groß, auch wenn wir uns irgendwie nicht so gut kannten. Ich habe dann dem Sohn gesagt, dass ich meine Oma nicht ins Krankenhaus geben würde.

Inzwischen haben wir viel über das Thema im Unterricht gesprochen. Ich bin immer noch überzeugt, dass es richtig war, den Wunsch der Bewohnerin zu befolgen.

Vorgeschichte

Ich habe nach der Schule ein FSJ in der Altenpflege gemacht, ein Freiwilliges Soziales Jahr. Da bekam ich den ersten Einblick und fand´s interessant. Dann bin ich zum Bund gegangen und vier Jahre geblieben. Aber ich wollte doch etwas anderes. Mein Opa ist gestorben und meine Oma wurde demenzkrank, da war Altenpflege wieder ein konkretes Thema.

Ich habe erst eine Ausbildung zum Pflegehelfer gemacht, die dauert ein Jahr. Dabei habe ich endgültig gemerkt, dass es der richtige Beruf für mich ist. Jetzt bin ich in der Ausbildung zur Pflegefachkraft und sie macht mir richtig Spaß.

Ich mag den Umgang mit den alten Leuten; jeder hat seinen Charakter. Altenpflege ist ein Geben und Zurückbekommen. Manchmal bekomme ich ein ganz leises „Danke“, das man kaum hört. Aber das ist eben alles, was dieser alte Mensch noch äußern kann und ich verstehe es und freue mich.

Wenn ein Bewohner stirbt, den ich gut kannte, ist es schwer, loszulassen. Bei uns im Team wird man sehr behutsam herangeführt. Inzwischen kann ich gut damit umgehen und schon andere anleiten. Wenn jemand noch nicht so weit ist, kümmere ich mich um den gestorbenen Menschen und der andere übernimmt die Papiere, füllt die Formulare aus. Ich mache das gerne, das ist für mich ein Ritual: Wenn ich einen verstorbenen Bewohner wasche, nehme ich ganz persönlich Abschied von ihm.

Portraitfoto Susan

Susan

Ich wusste nach der Schule nicht, was ich werden will.

Um mich zu orientieren, habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr geleistet, in einem Heim für Suchtkranke.
Das fand ich so interessant, dass ich dort dann auch gleich meine Ausbildung gemacht habe. Jetzt arbeite ich im Altenheim. Einiges läuft hier anders …

In meiner Berufsschulklasse haben wir einmal ein interessantes Projekt umgesetzt: in Rollenspielen haben wir verschiedene Generationen alter Menschen dargestellt.

Die erste Generation waren alte Menschen von heute. Im Rollenspiel saßen ein paar ältere Damen zusammen am Tisch, die den Krieg erlebt hatten. Sie erzählten von der Armut, von dem Leid, der Angst und von ihren Männern, die im Krieg gefallen sind. Dann kam eine Altenpflegerin, um die gewohnte Behandlungspflege durchzuführen. Insulin spritzen, Blutdruckmessen usw.

Als nächstes spielten wir die alten Menschen von morgen. Auch sie saßen bei Kaffee und Kuchen zusammen, doch sie erzählten vom Mauerfall. Sie blickten zurück auf die Freude, Angehörige wieder zu sehen, die Vereinigung an sich. Auf die negativen Seiten des Ausspionierens in der DDR und wie schwer es war, zu verreisen, wie lange man auf ein Auto warten musste. Auch hier trat noch traditionell die Altenpflegerin auf.

Im dritten Rollenspiel trafen sich alte Menschen von übermorgen zum Stammtisch. Alle kamen mit einem aufgemotzten Rollstuhl angefahren, jeder besaß ein Handy und hatte sein Laptop mitgebracht, um online zu „zocken“. Die Gespräche liefen sehr oberflächlich ab. Jeder klagte kurz über seine Wehwehchen; Hauptthema waren dann die neuen Felgen für den Rollstuhl und die neusten virtuellen Spiele. Hier gibt es keine Altenpflegerin mehr, sondern einen Roboter übernimmt die Pflege.

Natürlich ist dieses Projekt mit Humor zu nehmen und aus unserer Fantasie entstanden. Doch vielleicht ist es trotzdem im weitesten Sinne realitätsnah? Das werden wir erst in ein paar Jahrzehnten wissen. Was aber deutlich zum Ausdruck kommt ist, dass die Welt an sich immer oberflächlicher wird. So schlimme Erfahrungen wie damals den Krieg gibt es (Gott sei Dank) nicht. Tiefgehende Gespräche gehen zurück. Es zählen immer mehr Materielles, im privaten wie beruflichen Leben.

Die Geschichte von Frau B

Im Dezember kam ich auf den Wohnbereich 1. Da lernte ich sie kennen, Frau B. Sie schlief meist den ganzen Tag. Zu jeder Mahlzeit weckten wir sie. Immer sagte sie, sie hätte noch nie ein Essen verpasst und könne immer essen. Ich schmunzelte immer und dachte mir, wenn ich alt bin, werde ich wie sie. Essen und schlafen.

In der Weihnachtszeit hatte ihre Tochter eine ganze Dose voller leckerer Plätzchen gebacken und ihr mitgebracht. Wenn ich abends in Frau B.s Zimmer kam, saß sie am Bettrand und naschte. Dazu gerne Weintrauben und Bananen. Sie bot mir immer etwas an. Dann saßen wir zusammen und aßen diese unverschämt leckeren Plätzchen. Ich genoss das immer sehr.

Heiligabend, Frau B. ist im Krankenhaus, Verdacht auf Schlaganfall.

Sie wird aus dem Krankenhaus entlassen. Unser Verdacht hatte sich bestätigt. Frau B. ist jetzt ein anderer Mensch. Linksseitig gelähmt, bettlägerig, kann kaum noch reden. Alle ATLs (das bedeutet: „Aktivitäten des täglichen Lebens“: z. B. sich waschen, anziehen, selbständig essen und trinken und sich bewegen) werden nun vom Pflegepersonal übernommen. Ich fragte mich: Ist es schwieriger, jemanden zu pflegen, den ich von Anfang an nur als bettlägerig kenne oder einen Menschen, den ich noch als ganz aktiv kennen gelernt habe und der dann nach einem schweren Schlaganfall plötzlich wesensverändert ist?

Schlimm ist beides, das steht fest. Ich habe lange darüber nachgedacht und bin der Meinung: es ist schön, dass ich Frau B. schon vorher kannte. Denn so konnte ich eine intensive Beziehung zu ihr aufbauen.

Viele Bewohner wachsen einem ans Herz. Und wenn ich merke, dass sie sich wohlfühlen, ist das toll. Ganz wichtig ist für mich auch das Team. Man muss offen reden und sich auf die anderen verlassen können.

Ich möchte erstmal noch viel Erfahrung sammeln. Und später? Ich könnte mir vorstellen, Mentorin zu werden, also jüngere Kolleginnen und Kollegen anzuleiten und in schwierigen Situationen zu beraten.

Rückblick

Ich wusste nach der Schule nicht, was ich werden will. Um mich zu orientieren, habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr geleistet, in einem Heim für Suchtkranke. Das fand ich so interessant, dass ich dort dann auch gleich meine Ausbildung gemacht habe. Jetzt arbeite ich im Altenheim. Einiges läuft hier anders, ich musste Neues dazulernen, doch vieles ist auch vergleichbar. Zum Beispiel leiden viele Alkoholiker an Demenz, das ist ähnlich wie die Altersdemenz.

Um richtig gut auf die Bewohner eingehen zu können, müssen wir wissen, was sie bewegt. Das nennen wir Biographiearbeit. Das heißt, wir erforschen im Gespräch mit den Bewohnern und deren Angehörigen ihr Leben und alles, was ihnen wichtig ist. Von ihrem Lieblingsessen bis zu schlimmen Schicksalen, die sie vielleicht verarbeiten mussten. So können wir unsere Schlüsse ziehen und verstehen, warum der Mensch so oder so reagiert. Und wir können jeden alten Menschen individuell fördern.

Portraitfoto Lisa

Lisa

In der Schule reden wir auch über Themen wie „Ekel“ (oder „Schamgefühl“, „Intimsphäre“ ).

Jeder aus der Klasse sollte dann sagen, wovor ihn persönlich ekelt. Denn das können viele Sachen sein! Gerüche, Geräusche oder optische Reize. Und es muss auch nicht zwingend mit der Arbeit zu tun haben. Was ich damit sagen will: Es ist vollkommen okay, sich vor etwas zu ekeln! Aber das sollte euch nicht davon abschrecken, z. B. ein Praktikum in einem Altenheim zu machen. Anfangs ist das vielleicht alles etwas komisch, aber man gewöhnt sich schnell an die Arbeit. Ich meine, ich will in meiner Freizeit auch nicht unbedingt mit Stuhlgang oder Erbrochenem zu tun haben. Aber bei der Arbeit ist das komplett anders. Man sieht es mit anderen Augen und denkt gar nicht mehr so drüber nach. Und wenn es Dinge gibt, die man wirklich nicht machen kann oder will, dann sind immer Kollegen da, die einem helfen! Ich weiß, es heißt oft Altenpflege ist nur „Popo abwischen“, aber so ist es nicht! Und wenn wir’s machen, dann ist es auch nicht so schlimm. Wollte das nur mal ansprechen… 🙂

Schicksale

Hallo! Ich möchte euch heute von einer Bewohnerin in dem Wohnbereich erzählen, in dem ich zurzeit arbeite. Durch einen Apoplex (einen Schlaganfall) ist sie linksseitig gelähmt und kann deshalb auch nur noch sehr verwaschen sprechen. Jedoch ist sie vollkommen klar und sich ihrer Umgebung bewusst. Wenn sie etwas erzählt, muss ich genau hinhören, um sie zu verstehen. Sie fragt, was ich zurzeit in der Schule mache oder wann ich endlich meinen Führerschein schaffe (bin durchgefallen!). In ihrem Nachtschrank hat sie immer Bonbons und die schenkt sie Pflegekräften, die sie besonders mag. Auch ich hab schon ’ne Menge davon abbekommen. 🙂 Wenn ich, so wie jetzt, längere Zeit in der Schule bin, fragt sie die andern auch, wie es mir geht oder lässt einen schönen Gruß ausrichten.

Schicksale 2

Hey, ich will euch mal von einem tollen Kontakt aus meinem früheren Wohnbereich erzählen. Als ich noch auf der Schwerstpflege-Station gearbeitet habe, hab ich oft eine bestimmte Bewohnerin versorgt. Sie war bettlägerig, demenzkrank und konnte nicht mehr sprechen. Ich wusch sie und half ihr beim Trinken und Essen. Wenn es ihr gut genug ging, setzten wir sie in den Rollstuhl. Trotz ihrer Demenzerkrankung hatte ich das Gefühl, dass sie genau versteht, was geschieht. Sie hatte immer einen sehr aufmerksamen Blick und hat alle im Raum genau beobachtet. Am schönsten war es, wenn sie sich über eine Sache gefreut hat. Da hatte sie ein ganz breites, strahlendes Lächeln im Gesicht. Das war richtig schön! Wenn ich Zeit hab, geh ich manchmal zu ihr hoch ins Zimmer und schau nach, wie es ihr geht. Und wenn es nur für 5 Minuten ist.

Rückblick

Hallo zusammen! Mein erstes Ausbildungsjahr ist jetzt vorbei und im September geht’s dann weiter mit dem zweiten. Es gibt viele Dinge, die sich dann ändern. So ist es z. B. im 2. Jahr üblich, dass Azubis die sonst stationär arbeiten, für ca. 2-3 Monate in der ambulanten Pflege mitfahren. Ich bin im März dran. Bei welchem ambulanten Pflegedienst ich arbeiten möchte, kann ich mir selber aussuchen. Im ambulanten Pflegedienst versorgt man alte Menschen, die noch zu Hause wohnen, aber trotzdem Unterstützung benötigen. Das können kleine Dinge sein wie Insulin spritzen oder kochen, aber auch z. B. eine Ganzkörperwäsche. Außerdem lernt man im 2. Ausbildungsjahr wie man bei Diabetikern den Blutzucker misst und Insulin spritzt. Oder auch wie man Infusionen legt und intravenöse Infusionen vorbereitet, die nur der Arzt legen darf. Unterscheidet sich in dem Bereich also gar nicht so großartig von der Krankenpflege im Krankenhaus! Liebe Grüße! Lisa

Vorbereitung auf den Praxisvortrag

Hallo ihr da draußen, am 25.5., also am Dienstag, findet mein 3. Praxisauftrag statt. Diesmal geht es um Prophylaxen, also um vorbeugende Maßnahmen. Wir konnten uns eine aussuchen, die wir unserer Lehrerin an dem von uns ausgewählten Bewohner vormachen. Ich habe mich für die Pneumonieprophylaxe entschieden. Pneumonie bedeutet Lungenentzündung und Pneumonieprophylaxe sind Maßnahmen, die der Entstehung einer Lungenentzündung vorbeugen. Dazu gehören schon ganz einfache Dinge wie Pfeifen, Singen und Atemübungen. Morgen werde ich mit der Bewohnerin, die mitmacht, noch ein Lied aussuchen, das wir beide kennen. Zudem haben wir uns für eine Atemübung entschieden, bei der 5 Wattebausche auf den Tisch gelegt werden und man diese durch Pusten ans andere Ende des Tisches bringen muss. Man sieht: Praxisaufträge müssen nicht immer langweilig und anstrengend sein. 🙂

Schule und Beruf

Hallo ihr Lieben 🙂 , heute erzähle ich euch mal etwas über meine Schul- und Arbeitszeiten. Ich gehe in München zur Berufsschule und dort haben wir Blockunterricht. Das heißt, wir haben festgelegte Wochen im Jahr, in denen wir zur Schule müssen. Das kann mal eine Woche sein, aber auch bis zu vier oder mehr. Um nicht den Überblick zu verlieren, haben alle aus meiner Klasse einen Stundenplan für das ganze Jahr bekommen, damit wir wissen, zu welcher Zeit wir Schule haben. Diese Zeit wird dann auch mit in unserem Dienstplan eingeplant. Ein- bis zweimal in unserer Schulwoche haben wir bis 16.40 Uhr Schule, das ist ganz schön lange, wir haben jedoch nach jeder Stunde eine kurze Pause. Der Unterricht ist meistens auch ziemlich interessant, so geht die Zeit eigentlich schnell rum. Vor allem wenn man praktische Übungen in der Schule macht (sich z.B. gegenseitig lagern etc.). Die Arbeitszeiten können ganz schön variieren und man hat nicht wie in anderen Berufen eine 5-Tage-Woche. Es kann vorkommen, dass wir mal bis zu 6-7 Tage am Stück arbeiten, es können manchmal aber auch nur 2 Tage bis zum nächsten freien Tag sein. Das ist immer sehr ausgewogen und man hat genügend freie Tage, um sich zu erholen. Bei uns gibt es einen Früh-, Spät- und Nachtdienst. Als Schüler dürfen wir aber noch keinen Nachtdienst machen, weil man da alleine für eine Station zuständig ist. Unser Frühdienst beginnt um 6.30 Uhr und dauert bis ca. 14.30 Uhr. Der Spätdienst beginnt ca. 13-14 Uhr und geht bis um 20.30-21.00 Uhr. Ich hoffe, ich hab das so gut erklärt!

Das Leben im Heim

Hallo ihr da draußen 🙂 , Ich möchte euch etwas über den Wohnbereich erzählen, auf dem ich jetzt arbeite und die Station, auf der ich davor gearbeitet habe. Bei uns im Haus ist es üblich, dass die Schüler in den 3 Jahren Ausbildungszeit auf jedem Wohnbereich mal (4 bis 7 Monate) gearbeitet haben. Ich war seit August ’09 auf dem „Intensiv“-Wohnbereich in unserem Haus. Dort sind die meisten Bewohner bettlägerig. Außerdem gibt es einige Bewohner, die künstlich über eine PEG-Sonde ernährt werden, weil sie unter Schluckstörungen leiden. Zudem haben viele auch einen Blasenkatheter, aufgrund einer Blasenentleerungsstörung. Die Arbeit auf diesem Wohnbereich ist körperlich recht anstrengend, aber man lernt aufgrund der verschiedenen Krankheitsbilder sehr viel. Mir hat die Arbeit dort gut gefallen und ich habe immer Hilfe von den Kollegen bekommen, wenn ich welche brauchte. Anfang März ’10 bin ich auf den Wohnbereich 1 gewechselt. Dort sind viele Bewohner noch mobil, viele können sich selbst waschen, anziehen usw. Man gewöhnt sich auf einem anderen Wohnbereich sehr schnell an die Bewohner. Die meisten Mitarbeiter kannte ich ja schon vorher. Obwohl sich die zwei Wohnbereiche sehr voneinander unterscheiden, macht mir die Arbeit genauso viel Spaß! Eure Lisa

Der Praxisauftrag

Ich wollte euch ein bisschen von meinem nächsten Praxisauftrag erzählen, der am 10. März stattfindet. Also erstmal, was bedeutet „Praxisauftrag“? Meine Klassenlehrerin von der Berufsschule besucht an diesem Tag unser Heim, um eine bestimmte „Aufgabe“, die uns gestellt wurde, abzuprüfen. Das kann entweder etwas Theoretisches sein oder auch etwas Praktisches, z. B. einen Bewohner waschen. Die Termine bekommen wir ca. 2 bis 3 Wochen vorher, um uns darauf vorbereiten zu können.

Solche Aufträge bekommen wir ca. alle 4 bis 5 Monate. Da ich im 1. Ausbildungsjahr bin, ist das erst mein 2. Praxisauftrag. Ich muss meiner Lehrerin diesmal etwas über Hygiene und Sicherheit in unserem Haus erzählen. Das klingt vielleicht uninteressant, aber über sowas müssen wir im Altenheim auch Bescheid wissen. Wir müssen z. B. wissen, was in unseren Desinfektionsplänen drinsteht und wo sie überall aufgehängt sind. Aber auch, wer Sicherheits- und Hygienebeauftragter in unserem Heim ist, oder was es für Fortbildungen zum Thema Hygiene & Sicherheit in unserem Heim gibt. Zudem müssen wir aber auch über die Abfallentsorgung und Sicherheits- & Arbeitskleidung Bescheid wissen. Darauf bereite ich mich einmal mündlich vor und einmal schriftlich. Beides wird benotet und zählt als praktische Note in der Schule.

Demenz

Die Arbeit mit demenzkranken Bewohnern fand ich bisher am schönsten. Die Menschen waren so offen. Sie kamen immer auf mich zu und sprachen mich an. Das war wie eine Familie: immer was los, manchmal traurig, oft auch fröhlich.

Jetzt arbeite ich auf einer Station mit Menschen, die stärker körperlich behindert sind. Obwohl ich eher klein bin, kann ich schon einen Mann mit 100 Kilogramm hochheben – dafür braucht man weniger Kraft, sondern Technik. Trotzdem muss man schon fit sein, besonders im Frühdienst, wenn alle Bewohner gewaschen oder geduscht werden müssen und dann gleich Frühstückszeit ist. Auf der Behütenden Station war die Arbeit eher seelisch anstrengend, aber eben auch sehr schön.

Der Traum-Beruf?!

Das Beste an der Altenpflege ist für mich, dass wir so viel Nähe haben. Man ist mit den Bewohnern viel länger zusammen als zum Beispiel bei der Pflege im Krankenhaus. Da kann man eine richtige Beziehung aufbauen.

Für meine Zukunft habe ich noch keine genauen Pläne. Ich habe ja noch zwei Ausbildungsjahre vor mir. Vielleicht hole ich nach der Lehre mein Abi nach und studiere Medizin.

Rückblick

Meine Mutter ist hier im Heim Wohnbereichsleiterin auf der Behütenden Station. Dort betreut sie demenzkranke alte Menschen. Sie sind verwirrt und weglaufgefährdet, deshalb brauchen sie besondere Zuwendung.

Als ich in der 9. Klasse war, musste ich ein Praktikum machen. Ehrlich gesagt, aus Bequemlichkeit habe ich es hier im Heim gemacht, nicht aus Interesse. Damals dachte ich mir: irgendwie wirst du den Monat schon überstehen. Aber dann wurde ich überrascht, denn es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich wusste sofort, dass ich weitermachen will. In der 10. Klasse habe ich dann schon auf 400-Euro-Basis hier mitgearbeitet. Dadurch habe ich ziemlich viel von der Arbeit mitbekommen und kenne schon verschiedene Stationen, obwohl ich erst im ersten Ausbildungsjahr bin.

Portraitfoto Peggy

Peggy

Es macht mir Spaß, etwas für die alten Menschen zu tun.

Man muss auf jeden Einzelnen eingehen, auf seine Stimmungen, sein Wesen. Was ich auch mag, ist die enge Zusammenarbeit in unserem Team. Hier sind viele junge Leute, aber auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen, von denen ich lernen kann und die mir weiterhelfen. Ich habe schon ziemlich klare Ziele: nach der Ausbildung möchte ich ein Jahr im Beruf arbeiten, dann eine Weiterbildung zur Wohnbereichsleiterin machen und später zur Pflegedienstleiterin.

Wie alles anfing? Es war irgendwann vor Silvester, ich war erst 2 Monate wieder zurück aus der Schweiz (dort habe ich ein Au-pair-Jahr gemacht), als mich die Mutti von meinem Freund fragte: „Könntest du dir vorstellen, ein Praktikum in der Altenpflege zu machen?“. Ich dacht mir nur, oh Gott, mit alten Leuten, den ganzen Tag nur „Popos sauber machen“. Aber da ich so ein Mensch bin, der alles ausprobieren muss, um sich ein Bild zu machen, war meine spontane Antwort: „Ja, ist okay, wann soll es losgehn?“

Am 5.1.09 war mein erster Praktikumstag. Als ich um 5 Uhr aufstand und die vielen Gedanken im Kopf hatte, was man halt alles so hört von der Altenpflege, fiel es mir sehr schwer, mit einem Lächeln dort hin zu gehen. Erst einmal sah ich nur zu. Dann durfte ich meine erste Bewohnerin selber betreuen, natürlich unter Aufsicht einer Altenpflegerin. Am Anfang hatte Angst vor dem engen Körperkontakt, es war echt schwer, das abzulegen, aber als ich dann fertig war und die Bewohnerin zufrieden in ihren Rollstuhl saß, war mir eins bewusst: Ich habe etwas Sinnvolles getan.

Dieses Gefühl war echt der Hammer, kaum vorstellbar.

Als ich am Nachmittag mit der Arbeit fertig war, besuchte ich eine Bewohnerin und lud sie ein, mit mir im Flur zu spazieren. Dabei erfuhr ich so viel von ihr, es war besser als jeder Geschichtsunterricht in der Schule, wo man eh immer gleich einschlafen könnte 🙂 . Ich konnte mir so ein gutes Bild von der Vergangenheit machen, es war echt was Besonderes, auch weil es mit soviel persönlichen Eindrücken geschildert wurde.

Und nun, 1 Jahr später, hab ich mit meiner Ausbildung als Altenpflegerin angefangen, worüber ich froh bin und sehr stolz auf mich, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe.

Es macht mir Spaß, etwas für die alten Menschen zu tun. Man muss auf jeden Einzelnen eingehen, auf seine Stimmungen, sein Wesen. Was ich auch mag, ist die enge Zusammenarbeit in unserem Team. Hier sind viele junge Leute, aber auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen, von denen ich lernen kann und die mir weiterhelfen.

Ich habe schon ziemlich klare Ziele: nach der Ausbildung möchte ich ein Jahr im Beruf arbeiten, dann eine Weiterbildung zur Wohnbereichsleiterin machen und später zur Pflegedienstleiterin.

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