LIVEBERICHTE

Azubis und junge Fachkräfte berichten über ihren Arbeitsalltag und ihre Erfahrungen, mit alten Menschen umzugehen.

In der Altenpflege entwickeln sich Erkenntnisse und Methoden ständig weiter.

Einige Beispiele für moderne Pflegearbeit:

Akkordeon-Inhalt

Beispiel 1: Angstbewältigung

Ein alter Mann verlässt Nacht für Nacht wie panisch sein Bett und irrt durch die Flure. Einmal ist er dabei bereits gestürzt. Das Pflegeteam befragt die Familie und beschäftigt sich mit dem Lebenslauf des Mannes. Das nennt man: Biografiearbeit. Dabei stellt sich heraus, dass der alte Herr während des Kriegs bei einem Bombenangriff verschüttet worden war und danach heftige Angst im Dunklen hatte. Nun holt ihn das Erlebte wieder ein. Daraufhin richtet das Team ein Nachtlicht im Zimmer des alten Herrn ein, das nicht beim Schlafen stört, ihm aber Orientierung, Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Danach schläft der Bewohner wieder entspannt und zufrieden durch.

Beispiel 2: Freizeitangebote individuell gestalten

In einer WG für demenzkranke Menschen ist eine der alten Damen sehr unzufrieden. Alle Beschäftigungsangebote lehnt sie ab: Sie möchte nicht musizieren, basteln oder spazieren gehen. Auch hier hilft wieder die Biografiearbeit. Das Pflegeteam erkundet im Gespräch mit der Bewohnerin und ihren Kindern, was sie früher gemacht hat. Dabei stellt sich heraus: Sie war Köchin mit Leib und Seele. Daraufhin wird die alte Dame eingeladen, in der Küche „mitzuarbeiten“. Sie schält Äpfel, knetet Teig, verteilt die Früchte auf dem Kuchenboden … Wenn sie in der Küche hantiert, wirkt sie gar nicht verwirrt, ist ganz bei sich. Und sehr stolz, wenn „ihr“ Kuchen aus dem Ofen gezogen wird.

Niemand möchte gerne eingesperrt sein. Schon gar nicht demenzkranke Menschen, die oft einen sehr starken Bewegungsdrang haben. Manche Pflegeeinrichtungen arbeiten zum Beispiel mit Lichtleitsystemen: Die Bereiche, in denen sich die Bewohnerinnen und Bewohner gefahrlos bewegen können, sind einladend hell und freundlich ausgeleuchtet. „Gefahrenzonen“ liegen dagegen im Schatten – und werden von den alten Menschen instinktiv gemieden.

Was tun, wenn ein alter Mensch sehr unruhig ist und aus dem Bett zu fallen droht? „Fixieren“, also das Anbinden im Bett, ist ein massiver Eingriff in seine Rechte. Pflegeprofis haben eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Lösung erfunden: Sie legen Matratzen auf den Boden und richten ein gemütliches und sicheres „Pflegenest“ ein. Oder sie nutzen ein „niederfluriges, nur 19 cm hohes Bett, vor das zur Sicherheit noch eine Matratze gelegt wird. Schon ist ein behaglicher Ort geschaffen, an dem der alte Mensch sich nicht gefangen, sondern geborgen fühlt.

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