Für Migranten

Menschen mit Migrationshintergrund sind oft besonders gute „Herzwerker“. Denn in deren Herkunftsland besitzen alte Menschen einen sehr hohen Stellenwert. Ihnen wird mit Respekt begegnet und sie sind ein selbstverständlicher Teil der Familie.

Chancen ohne Grenzen

Menschen mit Migrationshintergrund haben – bei gleicher Leistung und natürlich guten Deutschkenntnissen – dieselben Karrierechancen wie ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen.

Übrigens: In Bayerns Alten- und Pflegeeinrichtungen leben inzwischen auch immer mehr alte Menschen mit Migrationshintergrund. Sie freuen sich besonders auf Pflegekräfte, die ihren Kulturkreis kennen und ihre Sprache sprechen.

Es gibt viele Wege in die Altenpflege. Zum Beispiel über

Akkordeon-Inhalt

„Hier werde ich nicht als Ausländerin gesehen, sondern als Mensch.”
Justyna, Azubi zur Altenpflegerin
Portraitfoto Justyna
„Ich habe die Sprache durch die Praxis gelernt, spreche noch nicht perfekt Deutsch. Aber die Bewohner haben mich so genommen, wie ich bin.”
Justyna, Azubi zur Altenpflegerin
„Menschen mit Migrationshintergrund bringen oft mehr Feinfühligkeit mit.”
Herr W., Bewohner in einer Alten- und Pflegeeinrichtung
Portraitfoto Line
„Sehr gut! Ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich habe sofort eine Vertrautheit gespürt. Schon nach den ersten Begegnungen war Vertrauen da.”
Line, Azubi zur Altenpflegerin
„Migranten haben oft einen selbstverständlicheren Kontakt zu alten Menschen.
Ich glaube, weil in ihrer Kultur Ältere oft noch besser integriert sind.”
Herr. K., Bewohner in einer Alten- und Pflegeeinrichtung
Portraitfoto Bassir
„Die meisten sehr positiv, sie mögen mich. Einige haben immer noch Vorbehalte gegen ‚schwarze Haare’. Das sind meist demenzkranke Menschen. Ich gehe mit Humor damit um, erzähle ihnen etwas von mir. Das klappt meist. Ich habe gute Freunde unter den Bewohnerinnen und Bewohnern.”
Bassir, Altenpfleger

Nicht perfekt, aber gut! Denn schließlich soll es im Team keine Missverständnisse geben. Und die alten Menschen brauchen eine klare Sprache, da sie häufig nicht mehr so gut hören.

Unser Tipp: Die einjährige Ausbildung zur Altenpflegefachhelferin beziehungsweise zum Altenpflegefachhelfer bietet einen guten Einstieg in den Beruf. In dieser Zeit kannst du intensiv Deutsch lernen. Wer dann fit ist, kann die Ausbildung zur Fachkraft machen. Hier sind gute Deutschkenntnisse lebenswichtig, denn sie sind zum Beispiel für die Ausgabe der Medikamente verantwortlich.

Liveberichte

Das fühlen, denken und erleben Pflegekräfte mit Migrationshintergrund:

Akkordeon-Inhalt

Portraitfoto Justyna

Justyna
Geboren 1980 in Polen
Kam 2003 nach Deutschland
Azubi zur Altenpflegerin
Wie bist du zur Altenpflege gekommen?
Ich habe früher in der Gebäudereinigung und der Gastronomie gearbeitet. 2010 habe ich eine Weiterbildung zur Betreuungskraft gemacht. Früher dachte ich, alte Menschen sind nicht so mein Ding. Aber als ich sie kennenlernte, sah ich das ganz anders. Die Arbeit macht viel Spaß.
Wie wurdest du aufgenommen?
Hier werde ich nicht als Ausländerin gesehen, sondern als Mensch. Ich habe die Sprache durch die Praxis gelernt, spreche noch nicht perfekt Deutsch. Aber die Bewohner haben mich so genommen, wie ich bin.
Was gefällt dir besonders gut?
Ich brauche gute Menschenkenntnis und trage Verantwortung für das Leben anderer Menschen. Aber es gibt immer ein Team, das mir hilft und mich unterstützt. Ich entwickle mich persönlich, erfahre Sachen, die ich vorher nicht kannte.
Würdest du die Altenpflege als Beruf empfehlen?
Auf jeden Fall. Die Vorstellung von Altenpflege ist ganz anders als die Wirklichkeit. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind humorvoll und erfahren. Man lernt viel, auch von ihnen. Der Beruf hat viele Seiten. Man hat mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun, sowohl bei den pflegebedürftigen Menschen als auch bei den Pflegekräften. Die aktivierende Pflege ist sehr modern und an jedem einzelnen Bewohner orientiert. Man begleitet, berät, da ist alles dabei – kein Beruf ist so vielseitig.

Pflegekraft Bassir mit älterem Mann

Bassir
1984 in Afghanistan geboren
Mit 14 Jahren nach Deutschland gekommen
Nach dem Schulabschluss Aushilfe in einer Alten- und Pflegeeinrichtung,
anschließend 3-jährige Ausbildung
Seit 2010 examinierter Altenpfleger
Wie bist du zur Altenpflege gekommen?
Mein älterer Bruder ist Arzt. Während des Studiums hatte er in einem Altenheim gejobbt. Ich wollte eigentlich Bauingenieur werden, aber ich war nicht gut in Mathe. 😉 Mein Bruder meinte dann, Altenpflege könnte etwas für mich sein. Ich habe als Aushilfe gearbeitet und es hat mir viel Spaß gemacht.
Wie reagieren die Bewohnerinnen und Bewohner auf dich?
Die meisten sehr positiv, sie mögen mich. Einige haben immer noch Vorbehalte gegen „schwarze Haare“. Das sind meist demenzkranke Menschen. Ich gehe mit Humor damit um, erzähle ihnen etwas von mir. Das klappt meist. Ich habe gute Freunde unter den Bewohnerinnen und Bewohnern.
Warum verstehst du dich so gut mit alten Menschen?
Ich mache meine Arbeit mit ganzem Herzen. Und ich habe viel Respekt vor alten Menschen. Als ich als Jugendlicher nach Deutschland kam, habe ich mich gewundert, wie respektlos ältere Menschen manchmal behandelt werden. Wenn ich erlebt habe, dass Kinder ihre Eltern beleidigten oder dass in der Straßenbahn junge Menschen nicht für Ältere aufstanden, habe ich mich richtig geärgert.
Wie werden alte Menschen in Afghanistan gepflegt?
Es gibt dort keine Pflegeheime. Die Menschen pflegen ihre Eltern bis zu deren Tod zu Hause. Männer kümmern sich um die Männer, Frauen um die Frauen.
Wie kamst du denn damit klar, Frauen zu pflegen?
Anfangs war es für mich wirklich schwierig, die alten Damen zu berühren. Aber heute ist es mein Beruf, auch die körperliche Pflege ist kein Problem. Überhaupt geht es bei meiner Arbeit gar nicht vor allem um Körperpflege, sondern um Kommunikation.
Aber ist Altenpflege nicht ein Frauenberuf?
Heute nicht mehr! Als ich zur Fachschule gegangen bin, waren wir 25 Frauen und acht Männer. Heute sind es noch mehr Männer. Ich glaube, dieser Beruf hat Zukunft.
Stichwort Kommunikation: Warum ist sie so wichtig?
Wenn ich mit alten Menschen spreche, ihnen zuhöre, mit ihnen Zeitung lese, spiele, rege ich ihre Fähigkeiten an, vermittle ihnen Erlebnisse. Zuhören und Reden ist zentral in unserem Beruf.
Du trägst auch viel Verantwortung …
Ja, ich habe Verantwortung für 27 Menschen auf unserer Station, für die Medikamente, das Essen, die Sturzprophylaxe … Auch für Mitarbeiter: Ich leite z. B. Pflegehelfer an. Und für die Dokumentation – Management gehört ja auch dazu. Diese Vielfalt gefällt mir gut.
Was rätst du Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung interessieren?
1. Du musst mit ganzem Herzen die Arbeit machen. Wenn ich nur Geld verdienen will, gehe ich auf die Baustelle arbeiten … Wichtig ist auch Geduld. Du musst lernen, ruhig zu bleiben, auch im Umgang mit demenzkranken Menschen. Aber das lernst du auch in der Ausbildung.

Und 2.: Mach´ ein Praktikum, um den Beruf kennenzulernen! Mindestens einen Monat lang, damit du auf verschiedenen Stationen mitarbeiten kannst.

Pflegekraft Line mit älterer Frau

Line
1993 geboren
Lebte bei ihren Großeltern in Fort-Dauphin, Madagaskar
Nach dem „Quali“ und einem 6-monatigen Praktikum in einer Alten- und Pflegeeinrichtung ist Line jetzt Azubi zur Altenpflegerin.
Von welchem Beruf hast du als Kind geträumt?
Altenpflege war für mich schon immer Wunschberuf und Berufung. Ich wollte immer mit Menschen arbeiten.
Wie haben dich die alten Menschen aufgenommen?
Sehr gut! Ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht. Ich habe sofort eine Vertrautheit gespürt. Schon nach den ersten Begegnungen war Vertrauen da.
Was war deine schwierigste Erfahrung?
Gleich an meinem ersten Tag hatte ich ein schlimmes Erlebnis. Eine Bewohnerin starb kurz nach meinem Besuch. Ich habe zwei Monate gebraucht, um das zu verarbeiten. Aber ich habe auch gemerkt: Das ist mein Beruf. Alte Menschen brauchen Hilfe, ich bin gerne für sie da. Ich kann mich auch viel mit meinen Kolleginnen und Kollegen austauschen.
Was planst du für die Zukunft?
Erst einmal möchte ich meine Ausbildung schaffen. Dann möchte ich in der ambulanten Pflege arbeiten. Mir liegt die selbstständige Arbeit. Mein „Plan B“ ist, Praxisanleiterin in einer stationären Einrichtung zu werden. Dann würde ich den Auszubildenden vermitteln, wie man mit älteren und pflegebedürftigen Menschen umgeht und worauf man achten muss.

Pflegekraft Tarschini mit älterer Dame

Tarschini
Tarschinis Familie stammt aus Sri Lanka;
sie selbst kam in Deutschland zur Welt
Azubi zur Altenpflegerin
Ursprünglich wolltest du gar nicht in der Altenpflege arbeiten, stimmt´s?
Ja, zuerst wollte ich Servicefachkraft im Luftverkehr werden. Dafür hätte ich aber einen Realschulabschluss gebraucht. Also habe ich die Ausbildung zur Altenpflegehelferin gemacht. Darüber bin ich sehr froh! Eigentlich wollte ich nach Sri Lanka fliegen und dort Menschen helfen. Aber inzwischen weiß ich, dass ich hier arbeiten möchte. Deshalb mache ich jetzt auch die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin.
Dein Tipp für Jugendliche?
Bevor man anfängt, sollte man Praktika in Pflegeeinrichtungen machen, erleben, wie sie organisiert sind und wie die Kollegen sind. Von Freunden weiß ich, dass es viele gute Heime gibt. Ich selbst habe auch mit einem Praktikum begonnen.
Was macht dir im Beruf Freude?
Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zu reden, zu hören, was sie erlebt haben. Ich mag alle Bewohner. Wenn ich etwas mit ihnen unternehme, mit ihnen spiele, dann fühle ich mich glücklich. Es kommt viel zurück.

Portraitfoto Sanja

Sanja
Geboren 1973 in Münster,
ihre Familie stammt aus Bosnien
1992 Ausbildung zur Krankenschwester
Seit 1999 arbeitet Sanja in der Altenpflege
Woher stammt deine Familie?
Mein Vater stammt aus Bosnien, meine Mutter aus Kroatien. Ich selbst bin in Deutschland geboren. Als Kind habe ich aber zehn Jahre in einem Dorf in Kroatien verbracht. Dort leben alte Menschen zu Hause und werden von ihrer Familie oder ihren Nachbarn gepflegt. Alte Menschen sind dort besser in die Gesellschaft integriert als in Deutschland.
Du bist gelernte Krankenschwester. Warum arbeitest du heute in der Altenpflege?
2007 bin ich Mutter geworden. Nach der Elternzeit bin ich in die Altenpflege gewechselt: Hier mache ich nur Frühdienst, mein Kind ist vormittags im Kindergarten. Das klappt gut.
Wie reagieren andere Menschen, wenn sie von deinem Beruf hören?
Viele sagen: „Toll, dass du das machst. Aber ich könnte es nicht.“ Für uns hier ist die Arbeit in der Altenpflege ganz normal. Und schön.
Spielt dein Migrationshintergrund im Beruf eine Rolle?
Wenn ich hier bin, rede ich nicht über meine Heimat. Ich finde, das gehört nicht hierher. Wir unterhalten uns hier außerdem immer auf Deutsch. Die Bewohner fühlen sich sonst ausgegrenzt.
Wie würdest du deinen Beruf beschreiben?
Ich kann alten Menschen helfen, ihren Alltag zu meistern. Sie sollen all das tun, was sie noch können. Mit gefällt es, sie zu begleiten. Die Geschichten aus ihrem Leben zu hören. Mit ihnen Spaß zu haben, mit ihnen zu lachen. Wenn man auf ihr Leben eingeht, blühen alte Menschen auf.

Video: Justyna – „Man wird nicht als `Ausländer´ gesehen …“

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https://www.youtube.com/watch?v=Pp23CHbN8cA

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Glossar

Sturzprophylaxe

Wenn alte Menschen stürzen, verletzen sie sich teilweise schwer. Aus Angst vor einem weiteren Sturz ziehen sie sich oft zurück, werden noch unsicherer – ein Teufelskreis. Deshalb ist die Vorbeugung – die Prophylaxe – sehr wichtig in der Altenpflege. Dazu gehört, für eine sichere Umgebung zu sorgen, Gehhilfen und Schuhe gut anzupassen – und natürlich mit den alten Menschen die Beweglichkeit zu üben.

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