AZUBIS
ERZÄHLEN

Mach dir ein Bild von der täglichen Arbeit in der Altenpflege. Azubis und junge Fachkräfte schreiben über ihren Arbeitsalltag, ihre Erlebnisse und Träume.

Portrait: Mario

Mario

Ich mag es besonders, mit älteren Menschen und im Team zu arbeiten.

Und ich freue mich über die Dankbarkeit und Freude der Bewohnerinnen und Bewohner. Ich bin gerne kreativ. Beim Praxisbesuch mache ich z. B. Bewegungsübungen mit den älteren Menschen. Mit einer Bewohnerin, die früher auf einem Bauernhof gelebt hat, habe ich gespielt, dass wir Kartoffeln ernten und kochen. Ich würde mich jederzeit wieder für den Beruf entscheiden. .

Mario, wie kam es, dass du eine Ausbildung zum Altenpfleger machst?

Vor vier Jahren bin ich mit meinem Sohn aus Peru nach Deutschland gekommen. Als gelernter Ergotherapeut habe ich in meiner alten Heimat fünf Jahre lang vor allem mit Kindern mit Behinderung gearbeitet. Leider wurde meine Ausbildung hier nicht anerkannt. Ich wollte immer mit Menschen und im Bereich Rehabilitation arbeiten. Also habe ich mich im Senioren-Zentrum Landsberg beworben, zunächst ein Praktikum und anschließend die einjährige Ausbildung zum Pflegehelfer absolviert. Schon bei meinem Praktikum habe ich das Familienklima im Team geschätzt. Für mich war schnell klar, dass ich Altenpfleger werden möchte. Direkt danach hat meine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen.

Was ist für dich die größte Herausforderung?

Ich bin noch unsicher, wie ich mit Menschen mit psychischen Erkrankungen umgehen soll. Aber ich frage dann die Fachkräfte. Mit ihnen verstehe ich mich gut, sie helfen mir immer. Was ich noch nicht ganz begreife, ist die deutsche Kultur. Zum Beispiel streiten wir in Peru nicht so viel. Aber wenn wir streiten, sind wir danach keine Freunde mehr. In Deutschland streiten die Leute ständig, aber am nächsten Tag ist alles wieder normal.

Wie läuft das in der Berufsschule?

Wir haben Blockunterricht – zwei bis drei Wochen im Monat, dann ist wieder ein Monat keine Schule. Mein Lieblingsfach ist Anatomie. Das fällt mir leicht, weil ich lateinische Fachwörter gut verstehe und sie teilweise schon kannte. Neben den theoretischen Fächern wie Anatomie, Rechtskunde oder Sozialkunde haben wir auch Praxisunterricht in der Schule. Noch besser fänd ich es, die praktischen Übungen mit den Lehrkräften direkt in unserem Haus durchzuführen.

Und was machst du am liebsten in der Praxis?

Mit gefällt die Arbeit mit Menschen, die eine körperliche Behinderung haben. Deshalb kann ich mir auch vorstellen, mich in den Bereichen Bewegung und Physiotherapie zu spezialisieren.

Wie sieht ein Arbeitstag aus?

Am Tag kümmere ich mich von 33 Bewohnern auf meiner Station um ca. 15 von ihnen. Alle haben unterschiedliche Bedürfnisse. Meine Aufgaben sind z. B.: Körperpflege, beim Aufstehen helfen, im Bett bequem hinsetzen, beim Essen helfen.

Und worüber unterhältst du dich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern?

Bei demenzkranken Menschen ist das Wetter immer ein Thema. Auch wenn sie aufgrund ihrer Krankheit viel vergessen und oft nicht wissen, wo oder wer sie sind – dass die Sonne scheint, erkennen sie immer. Auch die Orientierung ist wichtig. Die älteren Menschen müssen sich auf uns verlassen. Wenn sie sich verlaufen, ihr Zimmer nicht mehr finden, dann zeigen wir ihnen den Weg. Sie brauchen die Sicherheit, dass jemand da ist. Morgens wird als erstes immer geklärt, welcher Tag heute ist. Die älteren Menschen reden auch viel von ihren Enkelkindern, von früher. Mein Sohn hat mich mal besucht – da freuen sich die Leute und fragen auch oft nach ihm. Ich erzähle auch viel von mir. Ein ganz wichtiges und lustiges Thema ist die Liebe. Sie erzählen von der ersten Liebe, von Schulfreunden. Wir Südamerikaner denken ja immer, wir sind der Nabel der Welt, wenn es um Liebe geht. Aber es gibt überall Liebe.

Was macht dich besonders stolz?

Die Bewohner fragen oft nach mir, das ist ein Erfolg für mich. Immer wieder gibt es Überraschungen: Ich kam mal nach einem Monat wieder auf eine Station. Die Fachkräfte erzählten mir von einem dementen Bewohner, der in der Zwischenzeit stark abgebaut hatte und nun niemanden mehr erkannte. Ich ging zu ihm, er begrüßte mich: „Hey Mario, du bist wieder da.“ Das hat mich gefreut.

Was macht eine gute Pflegekraft aus?

Man muss die Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Biografie gut kennen. Dafür kommt es auf gute Teamarbeit an. Bei der Übergabe werden wichtige Details, auch Arzttermine oder private Verabredungen zum Essen, geklärt. So kann man auf persönliche Bedürfnisse reagieren. Ich versuche, die Ressourcen der Menschen aufrecht zu erhalten, also ihre Selbstständigkeit zu fördern.

Wie findest du deine Arbeitszeiten?

Ich habe Früh- und Spätschichten und arbeite an zwei Wochenenden im Monat. Ich darf auch schon Nachtdienste, weil ich durch meine Ausbildung als Ergotherapeut Vorkenntnisse habe. Die Arbeit in der Nacht gefällt mir gut. Da mache ich einen Plan, welche Bewohnerinnen und Bewohner mich zu welcher Zeit brauchen. Ich lese auch, um Deutsch zu lernen. Das einzige Problem: Ich kann nicht so gut am Tag schlafen.

Kannst du nach der Arbeit gut abschalten?

Ja, zu Hause schon. Nur wenn ich Schule hatte und am Wochenende arbeiten muss, dann ist es schwer, wieder in den Arbeitsalltag zu kommen. Wenn Menschen, die vorher fit waren, plötzlich nicht mehr laufen können – das sind dann schmerzhafte Veränderungen.

Es gibt also auch traurige Momente?

Wenn ich arbeite, versuche ich immer, Spaß zu haben. Früher in Peru war es schwierig für mich, wenn zum Beispiel Kinder mit Behinderung gestorben sind, mit denen ich gearbeitet habe. Die hatten ja kaum ein Leben. Bei den älteren Menschen ist das anders – sie haben so viel erlebt, hatten meist ein schönes Leben, und ich kann mit ihnen darüber reden. Ich möchte alles von mir geben, damit die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Zeit genießen können – dieses Gefühl hilft mir. Deshalb bin ich nicht traurig.

Wie laufen die Mahlzeiten ab?

Die mobilen Menschen (diejenigen, die sich selbstständig bewegen können) essen zusammen im großen Speisessaal – Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Jeden Tag gibt es außerdem Kaffee und Kuchen. Aber auch jede Station hat einen eigenen Speisebereich. Hier essen diejenigen, die nicht mehr fit genug sind. Beim Essen versuche ich, die Selbstständigkeit der Menschen zu fördern. Ich mobilisiere sie, das heißt: Ich helfe ihnen, sich aufzurichten, sich hinzustellen oder zu setzen.

Und was essen ältere Menschen gern?

Sie mögen am liebsten deutsches, besonders bayerisches Essen. Wenn es Chili Con Carne gibt, sagen die Bewohner, dass ich das ja aus meiner Heimat kenne. Dabei habe ich es noch nie gegessen. Ich erkläre ihnen dann, dass das Gericht aus Mexiko stammt – das ist über 4.000 km von Peru entfernt.

Hast du etwas von den älteren Menschen gelernt?

Ich habe vor allem Traditionen kennengelernt. Zum Beispiel höre ich jetzt oft Freddy Quinn, den viele der Bewohnerinnen und Bewohner sehr mögen. Und ich habe die bayerischen Feste kennengelernt. Ich tanze dann gerne – auch mit den älteren Menschen.

Was macht älteren Menschen besonders viel Spaß?

Basteln und Singen. Viele backen gern oder unterhalten sich im Garten. Diese und weitere Aktivitäten (z. B. Spazierengehen, Gartenarbeiten oder Brettspiele) übernimmt bei uns das Betreuungspersonal. In der Betreuung werden spielerisch die Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner geschult. Hier machen sie das, was ihnen gefällt. Wir Pflegekräfte helfen teilweise dabei.

Was macht sie traurig?

Das Wetter macht die älteren Menschen manchmal traurig. Viele machen alles gern, wenn nur die Sonne scheint.

Erinnerst du dich an ein besonders schönes Erlebnis?

Ja, erst heute hatte ich eins: Ich habe einem Bewohner mit Multiple Sklerose beim Essen geholfen. Er kann aufgrund seiner Krankheit auch nicht mehr reden. Plötzlich hat er ganz klar und deutlich „Dankeschön“ zu mir gesagt. Diese kleinen Erlebnisse machen mich glücklich.

Welches Erlebnis war nicht so schön?

Zum Beispiel gestern beim Praxisbesuch: Eine Bewohnerin macht bei allem immer sehr gerne mit. Gestern wollte sie gar nichts. Ich hatte Spiele mitgebracht, aber sie hatte zu nichts Lust.

Kannst du dich an jemanden wenden, wenn dir etwas auf dem Herzen liegt?

Ja, an die Betreuung, den Chef oder die Pflegedienstleitung. Dann reden wir über die Sache und suchen gemeinsam nach Lösungen.

Auf welche zukünftigen Aufgaben freust du dich?

Ich freue mich auf die Medizinische Pflege, also z. B. Wundversorgung und Spritzen setzen. Und auf den Kontakt mit den Ärztinnen und Ärzten.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Das ist schwer. Ich denke nicht an die Zukunft, ich denke eher an heute. In fünf Jahren habe ich die Ausbildung abgeschlossen und möchte mich dann weiterbilden – z. B. im Bereich geriatrische Rehabilitation. Vielleicht kann ich auch mit einer Weiterbildung hier im Haus als Ergotherapeut arbeiten. In der Altenpflege gibt es immer etwas zu lernen. Fest steht: Ich möchte immer etwas mit Menschen machen.

Portrait: Neele

Neele

Ich habe keine Großeltern mehr. Dieses Gefühl, mit den Leuten zu leben und ihnen etwas Gutes zu tun, das habe ich hier täglich.

Sie geben einem so viel zurück – Anerkennung und Dankbarkeit. Das ist ein schönes Gefühl. Sie freuen sich, wenn sie dich sehen. Außerdem mag ich die Ehrlichkeit und Direktheit unserer Bewohnerinnen und Bewohner.

Neele, wie bist du zur Altenpflege gekommen?

Das hat sich so ergeben. Ich bin gelernte Arzthelferin. Nach der Realschule habe ich die Ausbildung in einer Münchner Praxis gemacht und ein halbes Jahr gearbeitet, auch im Sanitätshaus. Eigentlich wollte ich hier im Senioren-Zentrum ein halbjähriges Praktikum im Bereich Betreuung machen. Ich wollte die Zeit nutzen, bevor ich mit der Berufsoberschule anfangen würde. Eigentlich. Mein jetziger Chef hat mir sofort einen Vertrag für die Ausbildung zur Altenpflegerin gegeben.

Warum Altenpflegerin und nicht Arzthelferin?

Ich habe zwar während meiner Ausbildung viel gelernt, aber als Arzthelferin verdient man noch weniger als in der Altenpflege. Und die Arbeitszeiten waren nicht gut.

Sind die Arbeitszeiten in der Altenpflege denn nicht schlechter?

Das täuscht! Man hat Schichtdienst und – klar – man muss manchmal am Wochenende arbeiten. Das macht mir persönlich nichts aus, dafür hat man in der Woche frei. Ich fange lieber früher an und habe dann ab 14 Uhr frei. Nachtschichten machen mir gar nichts aus. Im Gegenteil, ich finde es schön, weil man mehr Zeit für die Menschen hat. Manchmal setze ich mich zu einer Bewohnerin, die sich in der Sterbephase befindet, und bin einfach da.

Wie hat dein Umfeld auf deine Entscheidung reagiert?

Alle hatten großen Respekt vor mir, als ich erzählt habe, dass ich Altenpflegerin werden möchte. Meine Eltern unterstützen mich zusätzlich finanziell. Alle hatten großen Respekt vor mir, als ich erzählt habe, dass ich Altenpflegerin werden möchte. Meine Eltern unterstützen mich zusätzlich finanziell.

Was stört dich an deinem Beruf?

Wenn Menschen hinter dem Rücken reden – die älteren Menschen sprechen manchmal über das Personal, auch wenn wir danebenstehen. Einmal habe ich eine Bewohnerin darauf angesprochen, als sie etwas über mich gesagt hat, damit keine Gerüchte entstehen.

Gibt es weitere Herausforderungen?

Ich bin zwar groß, aber auch schlank. Da ist es körperlich manchmal sehr anstrengend, z. B. wenn ich einen Bewohner in den Rollstuhl heben muss und er nicht mithelfen kann. Aber ich mache viel Sport, um meinen Rücken zu stärken.

Was macht die Bewohnerinnen und Bewohner traurig?

Manche sind traurig, wenn sie merken, dass sie Dinge nicht mehr allein schaffen. Dann versuche ich, sie aufzubauen.

Ekelst du dich manchmal?

Nicht wirklich. Das einzige, wo ich die Luft anhalte, ist bei Erbrochenem. Aber Ekel ist auch normal. Jeder darf sich ekeln, auch wir Pflegekräfte. Ausscheidungen in der Toilette oder Einlage sind für mich nicht schlimm. Schwieriger ist es, wenn sie an den Wänden, an der Kleidung oder unter den Fingernägeln sind. Aber auch dann bleibe ich gelassen, ziehe Handschuhe an und reinige eben die Finger. Wir dürfen es natürlich auch den älteren Menschen nicht zeigen, wenn wir uns mal ekeln. Man kann im Team darüber reden, da bekommt man Rückhalt. Unsere Gespräche beim Frühstück will wahrscheinlich keiner hören.

Wie beurteilst du deinen Job heute? Würdest du dich wieder dafür entscheiden?

Ich würde mir wünschen, dass der Beruf einen besseren Ruf bekommt. Wir sind keine „Hintern-Abwischer“. Pflegekräfte sollten auch besser bezahlt werden. Wir haben hier mit Ärztinnen und Ärzten zu tun, tauschen uns mit ihnen aus, geben Medikamente und Spritzen – wir pflegen Menschen. Es ist schade, dass es in sämtlichen sozialen Berufen so eine schlechte Bezahlung gibt. Ich würde mich aber jederzeit wieder für den Beruf entscheiden.

Was macht dir in der Berufsschule am meisten Spaß?

Ich mag gerne Anatomie, das fällt mir sehr leicht. Natürlich kenne ich mich in diesem Bereich durch meine Ausbildung zur Arzthelferin auch schon aus. Ich lerne lieber lateinische als deutsche Wörter.

Und was magst du nicht so gern?

Psychologie ist nicht so meins. Was hat Freud mit der heutigen Arbeit zu tun? In der Theorie mag das gut sein, aber in der Praxis? Da redet man doch mit den Menschen. Ich brauche keinen Namen für das, was ich mache – ich mach’s.

Was sind deine Lieblingstätigkeiten bei der Arbeit?

Zum Beispiel Duschen und Baden – da kann man so viele Aromen anwenden, den Menschen etwas Gutes tun. Und die Beschäftigung macht mir Spaß. Für die Aktivierung der Bewohner muss ich mir immer etwas überlegen – z. B. gehe ich mit ihnen in den Garten, rede über Kräuter und Pflanzen oder koche etwas mit ihnen. Es kommt darauf an, was der Mensch mag. In der Ausbildung erarbeiten wir die Biografie und kennen die Bewohnerinnen und Bewohner sehr gut. Eine Dame, die früher Kindermädchen und Hauswirtschafterin war, hilft gerne mit, deckt den Tisch, spült Geschirr – das ist eine gute Beschäftigung für sie. So fördern wir die Ressourcen (also die Selbstständigkeit), und die älteren Menschen bleiben länger fit.

Was muss man für diesen Beruf mitbringen?

Eine gute Altenpflegekraft muss professionell sein und respektvoll mit den Menschen umgehen. Sie sollte ein offenes Ohr haben, gesprächsbereit sein – kurz: Zwischenmenschlich muss es stimmen.

Welche Rolle spielen die Angehörigen?

Die meisten Angehörigen sind sehr nett. Manche erwarten allerdings viel. Manchmal verhalten sich die Bewohner anders, wenn ihre Angehörigen da sind. Denen kommt es dann so vor, als würden wir uns nicht richtig kümmern. Dabei möchten die älteren Menschen in diesen Momenten einfach die direkte Aufmerksamkeit. Es ist schwierig, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner nach ihrer Verwandtschaft fragen und diese nicht kommt. Das finde ich schade. Wir versuchen dann, die Angehörigen dezent darauf hinzuweisen, dass sich die Mutter oder der Vater mehr Besuch wünscht.

Kannst du nach Feierabend abschalten?

Ja, ich nehme nichts mit nach Hause, weil ich bei Fragen und Problemen im Team und mit der Leitung über alles rede. Ich bin auch mit einigen Kolleginnen befreundet.

Welcher Bereich gefällt dir besonders?

Die Palliativpflege, also die Sterbebegleitung, interessiert mich. Ich überlege, mich hier nach der Ausbildung weiterzubilden.

Und das Thema Sterben belastet dich nicht?

Nein. Ich finde die Sterbephase besonders wichtig. Ich kann den Menschen ganz anders pflegen, mit anderen Waschtechniken, mit Düften zur Entspannung, einfach da sein und sie beruhigen. Denn viele haben große Angst vor dem Sterben. Für mich ist wichtig: Eine Beziehung aufzubauen ist gut – aber sie darf nicht zu eng sein, sonst ist es zu schwer, den Menschen gehen zu lassen.

Hast du schon mal erlebt, dass jemand gestorben ist?

Ja, öfter. Auch schon an meinem ersten Tag. Ein Bewohner war in der Nacht gestorben. Die Fachkraft fragte mich, ob ich mit ins Zimmer kommen möchte. Ich wollte ihn sehen, fand es faszinierend. Ich fand es nicht ekelig oder gruselig, auch nicht traurig, ich kannte die Person nicht.

Sprechen die Bewohnerinnen und Bewohner mit dir über das Sterben?

Manche von ihnen haben das Bedürfnis, darüber zu reden. Zum Beispiel sagt eine Bewohnerin, sie wünsche sich an manchen Tagen, zu sterben, weil alle ihre Verwandten oder Freunde schon verstorben seien. An anderen Tagen ist sie aber zum Glück wieder froh, dass sie noch lebt.

Was sind sonst noch Themen?

Das Essen sorgt immer für Gesprächsstoff. Vor allem, wenn es den Menschen nicht schmeckt. Die Mahlzeiten sind sehr wichtig für die Bewohnerinnen und Bewohner. Ich unterhalte mich auch über Alltagsthemen wie das Wetter oder die Gartenarbeit mit ihnen. Auch über Fernsehprogramme wird gesprochen, die Menschen ärgern sich z. B. über zu viel Werbung.

Hilfst du den älteren Menschen auch beim Essen?

Ja, ich reiche an, unterstütze sie. Oder man leitet an, je nachdem, was die Menschen noch können. Füttern finde ich nicht schön. Auch hier ist es wieder wichtig, die Ressourcen der Leute (also ihre Fähigkeiten) zu fördern.

Was hast du von den älteren Menschen gelernt?

Anders mit dem Leben umzugehen: Ich weiß das Leben mehr zu schätzen! Die Menschen haben so viel erlebt – viel mehr als man sich heute vorstellen kann. Manche reden vom Krieg. Als Pflegerin erlebe ich da schon mal traurige, aber auch schöne Situationen.

Was war für dich ein schönes Erlebnis?

Da gibt es einige. Wir hatten mal eine Bewohnerin, die wollte nur von mir gepflegt werden. Das war schön. Aber auch etwas schwierig, wenn ich nicht da war. Ich freue mich, wenn die Menschen sagen: „Sie sind eine ganz liebe Schwester“. Es gibt viele, die ich unheimlich gerne mag. Auf die freue ich mich besonders und sie sich umgekehrt auch. Wir haben eine demente Bewohnerin, die früher Konditorin war. Sie backt und kann alle Rezepte auswendig, samt Mengenangaben. Sie weiß manchmal nicht wie sie heißt, aber beim Backen kennt sie jeden Schritt.

Worüber freuen sich ältere Menschen?

Über gute Gespräche und darüber, dass ihnen jemand zuhört. Manchmal nehme ich mir die Zeit dafür, auch in der Pause. Die demenzkranken Menschen sind teilweise so verwirrt, dass sie sich selber nicht mehr erkennen. Dann rede ich mit ihnen, zeige ihnen Fotos, sage ihnen ihren Namen.
Viele freuen sich über Körperkontakt, z. B. Händehalten. Apropos: Es gibt hier auch ein Ehepaar, und auf meiner Station finden gerade zwei zueinander. Beide sind dement, halten Händchen, geben sich Bussis. Er ist verheiratet, weiß das aber aufgrund seiner Demenz nicht mehr. Seine Frau besucht ihn ab und zu – dann sitzen sie zu dritt im Garten.

Portrait: Agnes

Agnes

Ich liebe diesen Beruf.

Ich kann keinen Bürojob machen, ich muss mit Menschen zu tun haben!

Agnes, wie bist du zur Altenpflege gekommen?

Ich bin vor drei Jahren wegen meiner Beziehung aus Polen nach Deutschland gekommen. Zuerst war es schwierig für mich, die Sprache zu lernen und einen Job zu finden. In Polen hatte ich ein Volontariat im Kinder-Hospiz gemacht und außerdem Deutsch und Schwedisch studiert. Das hat mir aber nicht gefallen. Hier habe ich dann ein Praktikum im Senioren-Zentrum begonnen. Am Anfang haben alle gezweifelt, ob ich den Job schaffe, weil mein Deutsch so schlecht war. Aber mein Chef war überzeugt von meiner Arbeit und hat mir einen Ausbildungsplatz angeboten. Zusätzlich zu meinem Gehalt werde ich finanziell durch das Programm WeGebAU der Arbeitsagentur unterstützt. Ich habe nie damit gerechnet, einmal Fachkraft in der Altenpflege zu werden.

Du sagst, Menschen haben an dir gezweifelt. Was war mit deiner Familie?

In Polen ist Altenpflege leider kein besonders angesehener Beruf, dort gibt es z. B. keine Betreuung. Das bedeutet: Die älteren Menschen bekommen dort keine Freizeit- und Beschäftigungsangebote vom Personal. Meine Eltern wissen, dass es mir Spaß macht. Aber viele Menschen aus Polen verstehen nicht, dass der Beruf in Deutschland sehr vielseitig ist. Auch ich selber war skeptisch. Ich dachte anfangs: „Altenpflege ist vor allem Popo-Abwischen“. Das war ein Fehler. Ich würde die Ausbildung auf jeden Fall nochmal machen.

Wie ging es dann weiter?

Zuerst war es schwierig, ich musste mir ein dickes Fell zulegen. Je länger ich im Senioren-Zentrum gearbeitet habe, desto besser hat es mir gefallen. Auch im Team habe ich mich bald wohl gefühlt. Und ich habe viele Sprachkurse besucht. Inzwischen fallen mir manche polnischen Wörter gar nicht mehr ein. Mit der Zeit habe ich Verbindungen zu den Bewohnerinnen und Bewohnern aufgebaut. Ich mag die Arbeit mit dementen Menschen, darauf habe ich mich am Anfang sehr fokussiert. Vielleicht zu sehr: Im ersten Jahr als Helferin habe ich die Arbeit emotional mit nach Hause genommen. Inzwischen habe ich gelernt, dass man eine gewisse Distanz braucht.

Was magst du an der Arbeit mit demenzkranken Menschen?

Sie sind ein Spiegel, sind ehrlich, lügen nie. Sie fühlen, wie du bist und wie es dir geht. Sie geben auch viel Liebe und Freude – aus vollem Herzen. Generell mag ich an meinem Beruf, dass man das zurückbekommt, was man gibt. Du tust anderen etwas Gutes.

Was magst du nicht?

Da muss ich überlegen. Klar, an die Arbeitszeiten muss man sich gewöhnen. Nachtdienste haben mir früher nichts ausgemacht, heute mache ich lieber Frühdienste. Aber man stellt sich darauf ein. Und die Dokumentation, z. B. Protokolle zu schreiben, braucht Zeit, die ich lieber mit den Menschen verbringen würde. Aber sie ist eben auch wichtig.

Hast du dich schon mal geekelt?

Am Anfang war es schwierig für mich, aber irgendwann schaltet man ab. Ich konnte z. B. keine Füße anfassen oder sehen, das fand ich ekelig. Inzwischen könnte ich auch als Fußpflegerin arbeiten. Egal, ob es um Erbrochenes oder Stuhlgang geht – man muss den Bewohnerinnen und Bewohnern immer taktvoll und mit Respekt begegnen. Wir haben einen Bewohner, der immer pupst, z. B. bei der Körperpflege. Er sagt dann zu mir: „Jetzt habe ich Parfum für dich gemacht.“ Damit gehe ich humorvoll um.

Was macht dir in der Berufsschule am meisten Freude?

Am liebsten mag ich die Bereiche Lebensgestaltung (Aktivierung, Biografie-Arbeit) und Altenpflegepraxis. Bei der Lebensgestaltung geht es um die Aktivierung älterer Menschen, dafür ist die Biografie-Arbeit wichtig. Was gefällt dem einzelnen Menschen? Was hat er erlebt? Was sind seine Hobbies und was macht ihm Spaß? Hier kann ich kreativ sein und mit den älteren Menschen z. B. etwas spielen oder malen – oder sie schminken. Anatomie mag ich nicht so sehr, weil mir das Auswendiglernen schwerfällt.

Wie denkst du über das Sterben? Hat sich deine Einstellung dazu verändert?

Ich wollte immer Pathologin werden. Aber dazu muss man Medizin studieren, das war nicht so meins. Das Thema Tod hat mich immer fasziniert, es hat für mich etwas Rituelles. Ich freue mich, den Menschen hier ein schönes Leben zu ermöglichen. Am Anfang hatte ich Angst, während einer Nachtschicht eine tote Person vorzufinden. Bis es dann wirklich passiert ist und im Zimmer eine Bewohnerin verstorben war. Ich habe eine Fachkraft dazu geholt, die dann ohnmächtig wurde. Ich musste mich also erst um sie kümmern und dann eine andere Kraft holen. Seitdem habe ich keine Angst mehr.

Welche Arbeitsbereiche magst du besonders?

Am meisten Spaß machen mir Wundverbände und Behandlungspflege allgemein, das finde ich spannend. Deshalb möchte ich mich nach der Ausbildung in diesem Bereich – also Wundbereichsleitung – weiterbilden. Oder ich spezialisiere mich auf dem Gebiet der Gerontopsychiatrie. Ich könnte mir aber auch vorstellen, Pflegemanagement zu studieren. Auch wenn der Beruf Freude macht, möchte ich nicht immer als Pflegekraft arbeiten. Aber in zehn Jahren sehe ich mich schon immer noch hier.

Was muss eine gute Altenpflegekraft haben?

Herz und Gehirn. Der Job ist anstrengend. Ehrlichkeit ist wichtig, vor allem im Team. Man muss sich aufeinander verlassen können und sich austauschen. Ich versuche, die Menschen so zu pflegen, wie ich gern gepflegt würde. Es ist wichtig, die Privatsphäre der Menschen zu respektieren.

Was gefällt dir nicht an deinem Job?

Personalmangel. Einzuspringen, wenn jemand krank ist, das ist schwierig. Man möchte die Kolleginnen und Kollegen nicht hängen lassen, dadurch leidet manchmal das Privatleben. Man muss sich gut organisieren und langfristig planen. Und: Die Theorie aus dem Unterricht lässt sich nicht immer direkt in die Praxis umsetzen.

Worauf bist du besonders stolz?

Wenn demente Menschen, die nur in der Vergangenheit leben und niemanden bewusst identifizieren, mich erkennen und sich freuen, mich zu sehen. Oder wenn ich mehrere Tage mit einem älteren Menschen arbeite und dann einen medizinischen Erfolg habe, z. B. eine Wunde heilt – das macht mich glücklich. Ein Bewohner hat mal zu mir gesagt: „Wenn ich da oben bin, dann bin ich ein Engel. Und dann beschütze ich dich“. Solche Kleinigkeiten sind schön. Natürlich tut auch das Lob vom Chef gut.

Gibt es weitere schöne Momente?

Es gab mal eine demente Bewohnerin, die nichts gegessen hat. Wir sind zusammen in den Garten gegangen und haben dort frischen Schnittlauch geholt. Dann haben wir einen Toast damit bestreut und sie hat ihn gegessen. Und eine andere Bewohnerin sagt immer, sie möchte auch mit 80 noch sexy sein. Dann lackiere ich ihr die Fingernägel, schminke sie oder mache ihr Locken.

Was macht ältere Menschen traurig?

Das hängt von ihrer Lebensgeschichte ab. Demente Menschen sind besonders empfindlich. Da ist es wichtig, individuell zu reagieren. Manche fragen auch oft nach ihren Angehörigen und sind traurig, dass sie nur selten zu Besuch gekommen. Zum Glück gibt es aber auch viele, die ihre Verwandten hier oft besuchen und sie z. B. zu Urlauben abholen.

Was hast du von den älteren Menschen gelernt?

Verständnis zu haben. Und die Freude über Kleinigkeiten. Außerdem geben sie viele gute Ratschläge. Eine Frau, die seit vielen Jahrzehnten verheiratet ist, hat mir das Geheimnis ihrer Beziehung verraten: „Wenn dein Mann mal das Bett macht, lobe ihn, auch wenn es nicht perfekt ist.“ Ich habe es ausprobiert – es klappt.

Welche Themen beschäftigen die älteren Menschen?

Beziehungen, Kinder und ihr Beruf. Und der Krieg. Eine Frau erzählt immer noch von ihrer großen Liebe, die sie im Krieg verloren hat.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

In zwei Wochen beginnen die Prüfungen. Und nächstes Jahr heirate ich.

Portrait: Agnes

Janine

Mir gefällt die Vielfältigkeit.

Man muss gut organisieren und planen, schnell handeln, man arbeitet mit Ärzten und Therapeuten und muss individuell auf die Menschen reagieren. Der Beruf gibt mir persönlich viel. Ich mag es z. B. auch, den Menschen beim Essen den Tisch schön herzurichten. Wenn ich Zeit habe, lege ich mit ihnen Servietten oder Handtücher zusammen. Wir haben auch eine Bewohnerin, die das Bedürfnis hat, sexy auszusehen. Ja, Sexualität hört im Alter nicht auf.

Janine, wie bist du zum Beruf der Altenpflegerin gekommen?

Das war ein langer Weg: Nach der Schule stand das Thema schon mal zur Debatte, aber ich habe mich dann für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau entschieden. Viele haben mir auch von dem Job in der Altenpflege abgeraten, weil er so schwierig sei. Das hat sich inzwischen geändert. Ich bin froh, dass ich hier bin. Ich habe zwei Kinder, wollte weiterkommen. Ich habe dann übergangsweise im SOS-Kinderdorf als Hauswirtschafterin gearbeitet und dann die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin gemacht. Da habe ich gemerkt, das ist mein Ding! Danach habe ich im Senioren-Zentrum in Teilzeit gearbeitet. Die Leitung hat mir einen Ausbildungsplatz angeboten, und ich habe mich dafür entschieden.

Was gefällt dir nicht?

Wenn es sehr stressig ist. Da hätte ich manchmal gerne mehr Zeit.

Hast du Lieblingsfächer in der Schule?

Alles, was mit der Praxis zu tun hat. Medikamente, Injektionen, Impulse setzen. Impulse setzen heißt: Durch leichte Berührungen – z. B. am Rücken – rege ich die Bewohnerin oder den Bewohner zu bestimmten Bewegungen oder zum Aufstehen an. Ich mag alles, was den Menschen betrifft: Wie wasche ich jemanden beruhigend? Wie kann ich therapeutisch waschen – verwendet man z. B. abwechselnd warmes und kaltes Wasser, hat das eine anregende Wirkung und aktiviert den Kreislauf. Wie kann ich jemanden bewegen, der einen Schlaganfall erlitten hat? Diese Übungen finden im Praxisraum in der Berufsschule statt.

Worüber reden ältere Menschen?

Vor allem erzählen sie von ihren Kindern. Und sie geben mir Tipps für den Garten, das hat mir schon oft geholfen – z. B. bei einem Blattläuse-Problem.

Was sind für dich die größten Herausforderungen bei der Arbeit?

Delegieren finde ich schwierig – im Team, aber auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Ich möchte die älteren Menschen nicht bevormunden, sondern ihnen den Alltag erleichtern. Da muss ich mich ihrem Tempo anpassen und gleichzeitig mein Zeitmanagement beachten. Da ist es manchmal schwierig, einen Mittelweg zu finden.

Hast du dich schon mal geekelt?

Wenn jemand erbricht, das ist etwas unangenehm. Aber sonst nichts. Ich habe zwei Kinder – und man gewöhnt sich an alles. Es ist auch wichtiger, den älteren Menschen ein gutes Gefühl zu geben.

Was hast du von den Bewohnerinnen und Bewohnern gelernt?

Ich habe gelernt, authentisch zu sein und auch Fehler zugeben zu können. Aufrichtigkeit schätzen die älteren Menschen sehr.

Erinnerst du dich an ein schönes Erlebnis?

Es gibt so viele. Ein Bewohner war früher im Alpenverein. Ich habe ihm dann einen großen Wiesenstrauß mit Butterblumen, Sauerampfer und Zitronenmelisse mitgebracht und wir haben darüber geredet, dran gerochen und Himbeeren zusammen gegessen – da hat er sich gefreut.
Und es gab hier eine Dame; sie war sehr dement, aber immer gut gelaunt und so herzlich. Sie hat das Leben genossen und uns alle begeistert. Das war eine ganz andere Atmosphäre auf der Station. Früher hat sie Hunde gehabt, einmal habe ich meinen hierher mitgebracht. Da hat sie vor Freude geweint und viel Zeit mit ihm verbracht. Diese Empathie und Echtheit der älteren Menschen – da geht mir das Herz auf.

Gab es auch traurige Momente?

Ja, wenn Menschen versterben ist das schon traurig. Man sollte das nicht zu nah an sich heranlassen, manchmal ist das schwer. Die Sterbephase ist sehr intensiv, und man denkt mehr über das Sterben nach. Aber ich kann eine Distanz dazu halten und nach Feierabend auch abschalten.

Arbeitet ihr eher allein oder im Team?

Teamarbeit und Kommunikation sind sehr wichtig. Die Infos über Bewohnerinnen und Bewohner erhält man bei der Übergabe. Und wir halten alle Infos in einem Programm fest, die wir immer aktualisieren – von Vitalwerten über biografische Daten bis hin zu Essgewohnheiten. Manchmal spielen ältere Menschen die Kollegen gegeneinander aus, da muss man vorsichtig sein und offen drüber reden. Einmal im Monat haben wir ein Teammeeting, sprechen Probleme oder Konflikte an. Wenn sich ein Problem nicht intern lösen lässt, gibt es auch Supervisionen.

Eine gute Altenpflegekraft braucht …

Geduld. Das musste ich erst lernen. Eine Bewohnerin mit Demenz hat oft keine Lust und stellt sich quer, z. B. bei der Mobilisierung. Sie reagiert nicht auf Impulse und sagt dann zu mir „Moment, jetzt warten Sie mal. So geht das nicht.“ Dann gehe ich kurz aus dem Zimmer. Wenn ich fünf Minuten später wieder hereinkomme, begrüßt sie mich und freut sich, dass ich da bin. Dann geht das Spiel wieder von vorne los. Da komme ich manchmal an meine Grenzen, muss aber professionell bleiben.

Wie schaffst du das?

Bevor man ein Zimmer betritt, sollte man sich erst wieder erden, sonst nimmt man die Energie von draußen mit hinein. Die älteren Menschen sind sensibel und merken sofort, wenn man z. B. gestresst ist. Gerade demente Menschen spüren so etwas.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Im Sommer bin ich fertig und bleibe hier als Fachkraft. Den Vertrag habe ich schon unterschrieben. Ich sehe mich hier im Haus. Ich weiß noch gar nicht, worauf ich mich spezialisieren würde. Weiterbildungen, z. B. zur Praxisanleitung, könnte ich mir vorstellen – da kann ich Azubis unterstützen und arbeite weiterhin mit älteren Menschen. Diese Ausbildung ist wirklich ein gutes Sprungbrett, weil man so viele verschiedene Bereiche kennenlernt.

Portraitfoto Uwe

Uwe

Ich mag den Umgang mit den alten Leuten; jeder hat seinen Charakter.

Altenpflege ist ein Geben und Zurückbekommen. Manchmal bekomme ich ein ganz leises „Danke“, das man kaum hört. Aber das ist eben alles, was dieser alte Mensch noch äußern kann und ich verstehe es und freue mich.

Zwischenprüfung

Sorry, dass ich mich lange nicht gerührt habe: ich hatte Zwischenprüfungen und die waren ganz schön anstrengend. Okay, ich habe es gut rumgebracht und war nicht so nervös, aber es war schon viel Stress. Einige Mitschüler waren so nervös, dass es auch schlechte Noten gab. Aber wir haben alle bestanden und das ist eine Erleichterung… Unseren Dozenten ist auch ein Stein vom Herzen gefallen, dass es gut ausgegangen ist.

Aahh, ich freue mich schon auf morgen, da bin ich im ambulanten Pflegedienst. Denke, dass das ist interessant – mal sehen!

Demenz

Heute war unser Gerontolehrer da und wir haben uns über die Demenz und ihre Formen unterhalten. Das war sehr interessant, jetzt kann ich die Krankheit besser verstehen. Okay, er hat uns auch gesagt, dass wir eine Klausur schreiben über das Thema – aber das ist halt Schule.

Den Lehrer finde ich cool. Er berichtet auch von seinen eigenen Erfahrungen, z.B. dass man Spielkonsolen für die Bewegungs-Gedächtnistherapie bei demenzkranken Menschen nutzen kann. Das bringt alten Menschen viel Spaß und Abwechslung und sie haben gar keine Angst vor der „Technik“. Man muss halt immer was Neues ausprobieren: Jeder Mensch ist anders, auch und gerade wenn er alzheimer- oder demenzkrank ist.

Vor- und Nachteile des Jobs

Heute hatten wir in der Schule einen Reflexionstag, auch zum Üben für die Zwischenprüfung. Das war gut, denn wir hatten in ganz kleinen Gruppen mit 4 bis 5 Leuten Unterricht. Trotzdem natürlich stressig, Schichtdienst und Schule. Manchmal schaffe ich es gar nicht mehr, Freunde zu treffen. Aber auch wenn es schwer ist: Die Schule halte ich für wichtig. Ich hoffe, dass ich es schaffe, um irgendwann auch andere anzuleiten.

Meine Freundin ist mir sehr wichtig. Bei ihr kann ich abschalten und über alles reden.

Aber die Arbeit macht mir Spaß. Bei der Wirtschaftskrise haben Menschen in vielen Berufen ihr Vertrauen verloren. Das geht bei uns nicht. Die Bewohner vertrauen uns ihr Leben an.

Ich beschreibe meinen Beruf so: Aufmerksamkeit ist ganz wichtig. Wie ich handle, beeinflusst direkt einen anderen Menschen, der sich mir anvertraut. Und seine Familie. Ich bin das Auge des Arztes, denn ich bin jeden Tag bei den Bewohnern und bekomme Veränderungen mit. Und ich bin sein Assistent, denn ich setze seine Therapie um.

Zusammen lachen

Was mir an meinem Beruf besonders gefällt: Dass ich, wenn Zeit ist, die alten Damen und Herren zum Lachen bringen kann. Dass ich engen Kontakt zu den Bewohnern habe. Wenn ich zum Beispiel zur Frau X ins Zimmer gehe, dann lächelt sie mich an und wir umarmen uns zur Begrüßung. Das ist schwer zu beschreiben oder zu erklären. Ich hoffe, dass das erstmal okay ist. Bis zum nächsten Mal: Uwe.

Vertrauensmomente

Was mich bewegt hat: Einmal hat mich der Sohn einer alten Dame gefragt, was er machen soll. Es ging seiner Mama nicht gut und der Hausarzt wollte sie ins Krankenhaus einweisen. Der Wunsch von der alten Dame war aber: wenn sie sterben muss, will sie hier sterben, im Wohnpark.

Der Sohn fragte mich im Vertrauen unter vier Augen, was ich machen würde. Dieser Moment hat mich sehr bewegt, weil ich mich an meine eigene Oma erinnert habe, und besonders auch, weil ein Mensch, den  ich erst seit einem Jahr kannte, mich um Rat gefragt hat. Einen Schüler im 2. Lehrjahr! Das Vertrauen war groß, auch wenn wir uns irgendwie nicht so gut kannten. Ich habe dann dem Sohn gesagt, dass ich meine Oma nicht ins Krankenhaus geben würde.

Inzwischen haben wir viel über das Thema im Unterricht gesprochen. Ich bin immer noch überzeugt, dass es richtig war, den Wunsch der Bewohnerin zu befolgen.

Vorgeschichte

Ich habe nach der Schule ein FSJ in der Altenpflege gemacht, ein Freiwilliges Soziales Jahr. Da bekam ich den ersten Einblick und fand´s interessant. Dann bin ich zum Bund gegangen und vier Jahre geblieben. Aber ich wollte doch etwas anderes. Mein Opa ist gestorben und meine Oma wurde demenzkrank, da war Altenpflege wieder ein konkretes Thema.

Ich habe erst eine Ausbildung zum Pflegehelfer gemacht, die dauert ein Jahr. Dabei habe ich endgültig gemerkt, dass es der richtige Beruf für mich ist. Jetzt bin ich in der Ausbildung zur Pflegefachkraft und sie macht mir richtig Spaß.

Ich mag den Umgang mit den alten Leuten; jeder hat seinen Charakter. Altenpflege ist ein Geben und Zurückbekommen. Manchmal bekomme ich ein ganz leises „Danke“, das man kaum hört. Aber das ist eben alles, was dieser alte Mensch noch äußern kann und ich verstehe es und freue mich.

Wenn ein Bewohner stirbt, den ich gut kannte, ist es schwer, loszulassen. Bei uns im Team wird man sehr behutsam herangeführt. Inzwischen kann ich gut damit umgehen und schon andere anleiten. Wenn jemand noch nicht so weit ist, kümmere ich mich um den gestorbenen Menschen und der andere übernimmt die Papiere, füllt die Formulare aus. Ich mache das gerne, das ist für mich ein Ritual: Wenn ich einen verstorbenen Bewohner wasche, nehme ich ganz persönlich Abschied von ihm.

Portraitfoto Susan

Susan

Ich wusste nach der Schule nicht, was ich werden will.

Um mich zu orientieren, habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr geleistet, in einem Heim für Suchtkranke.
Das fand ich so interessant, dass ich dort dann auch gleich meine Ausbildung gemacht habe. Jetzt arbeite ich im Altenheim. Einiges läuft hier anders …

In meiner Berufsschulklasse haben wir einmal ein interessantes Projekt umgesetzt: in Rollenspielen haben wir verschiedene Generationen alter Menschen dargestellt.

Die erste Generation waren alte Menschen von heute. Im Rollenspiel saßen ein paar ältere Damen zusammen am Tisch, die den Krieg erlebt hatten. Sie erzählten von der Armut, von dem Leid, der Angst und von ihren Männern, die im Krieg gefallen sind. Dann kam eine Altenpflegerin, um die gewohnte Behandlungspflege durchzuführen. Insulin spritzen, Blutdruckmessen usw.

Als nächstes spielten wir die alten Menschen von morgen. Auch sie saßen bei Kaffee und Kuchen zusammen, doch sie erzählten vom Mauerfall. Sie blickten zurück auf die Freude, Angehörige wieder zu sehen, die Vereinigung an sich. Auf die negativen Seiten des Ausspionierens in der DDR und wie schwer es war, zu verreisen, wie lange man auf ein Auto warten musste. Auch hier trat noch traditionell die Altenpflegerin auf.

Im dritten Rollenspiel trafen sich alte Menschen von übermorgen zum Stammtisch. Alle kamen mit einem aufgemotzten Rollstuhl angefahren, jeder besaß ein Handy und hatte sein Laptop mitgebracht, um online zu „zocken“. Die Gespräche liefen sehr oberflächlich ab. Jeder klagte kurz über seine Wehwehchen; Hauptthema waren dann die neuen Felgen für den Rollstuhl und die neusten virtuellen Spiele. Hier gibt es keine Altenpflegerin mehr, sondern einen Roboter übernimmt die Pflege.

Natürlich ist dieses Projekt mit Humor zu nehmen und aus unserer Fantasie entstanden. Doch vielleicht ist es trotzdem im weitesten Sinne realitätsnah? Das werden wir erst in ein paar Jahrzehnten wissen. Was aber deutlich zum Ausdruck kommt ist, dass die Welt an sich immer oberflächlicher wird. So schlimme Erfahrungen wie damals den Krieg gibt es (Gott sei Dank) nicht. Tiefgehende Gespräche gehen zurück. Es zählen immer mehr Materielles, im privaten wie beruflichen Leben.

Die Geschichte von Frau B

Im Dezember kam ich auf den Wohnbereich 1. Da lernte ich sie kennen, Frau B. Sie schlief meist den ganzen Tag. Zu jeder Mahlzeit weckten wir sie. Immer sagte sie, sie hätte noch nie ein Essen verpasst und könne immer essen. Ich schmunzelte immer und dachte mir, wenn ich alt bin, werde ich wie sie. Essen und schlafen.

In der Weihnachtszeit hatte ihre Tochter eine ganze Dose voller leckerer Plätzchen gebacken und ihr mitgebracht. Wenn ich abends in Frau B.s Zimmer kam, saß sie am Bettrand und naschte. Dazu gerne Weintrauben und Bananen. Sie bot mir immer etwas an. Dann saßen wir zusammen und aßen diese unverschämt leckeren Plätzchen. Ich genoss das immer sehr.

Heiligabend, Frau B. ist im Krankenhaus, Verdacht auf Schlaganfall.

Sie wird aus dem Krankenhaus entlassen. Unser Verdacht hatte sich bestätigt. Frau B. ist jetzt ein anderer Mensch. Linksseitig gelähmt, bettlägerig, kann kaum noch reden. Alle ATLs (das bedeutet: „Aktivitäten des täglichen Lebens“: z. B. sich waschen, anziehen, selbständig essen und trinken und sich bewegen) werden nun vom Pflegepersonal übernommen. Ich fragte mich: Ist es schwieriger, jemanden zu pflegen, den ich von Anfang an nur als bettlägerig kenne oder einen Menschen, den ich noch als ganz aktiv kennen gelernt habe und der dann nach einem schweren Schlaganfall plötzlich wesensverändert ist?

Schlimm ist beides, das steht fest. Ich habe lange darüber nachgedacht und bin der Meinung: es ist schön, dass ich Frau B. schon vorher kannte. Denn so konnte ich eine intensive Beziehung zu ihr aufbauen.

Viele Bewohner wachsen einem ans Herz. Und wenn ich merke, dass sie sich wohlfühlen, ist das toll. Ganz wichtig ist für mich auch das Team. Man muss offen reden und sich auf die anderen verlassen können.

Ich möchte erstmal noch viel Erfahrung sammeln. Und später? Ich könnte mir vorstellen, Mentorin zu werden, also jüngere Kolleginnen und Kollegen anzuleiten und in schwierigen Situationen zu beraten.

Rückblick

Ich wusste nach der Schule nicht, was ich werden will. Um mich zu orientieren, habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr geleistet, in einem Heim für Suchtkranke. Das fand ich so interessant, dass ich dort dann auch gleich meine Ausbildung gemacht habe. Jetzt arbeite ich im Altenheim. Einiges läuft hier anders, ich musste Neues dazulernen, doch vieles ist auch vergleichbar. Zum Beispiel leiden viele Alkoholiker an Demenz, das ist ähnlich wie die Altersdemenz.

Um richtig gut auf die Bewohner eingehen zu können, müssen wir wissen, was sie bewegt. Das nennen wir Biographiearbeit. Das heißt, wir erforschen im Gespräch mit den Bewohnern und deren Angehörigen ihr Leben und alles, was ihnen wichtig ist. Von ihrem Lieblingsessen bis zu schlimmen Schicksalen, die sie vielleicht verarbeiten mussten. So können wir unsere Schlüsse ziehen und verstehen, warum der Mensch so oder so reagiert. Und wir können jeden alten Menschen individuell fördern.

Portraitfoto Lisa

Lisa

In der Schule reden wir auch über Themen wie „Ekel“ (oder „Schamgefühl“, „Intimsphäre“ ).

Jeder aus der Klasse sollte dann sagen, wovor ihn persönlich ekelt. Denn das können viele Sachen sein! Gerüche, Geräusche oder optische Reize. Und es muss auch nicht zwingend mit der Arbeit zu tun haben. Was ich damit sagen will: Es ist vollkommen okay, sich vor etwas zu ekeln! Aber das sollte euch nicht davon abschrecken, z. B. ein Praktikum in einem Altenheim zu machen. Anfangs ist das vielleicht alles etwas komisch, aber man gewöhnt sich schnell an die Arbeit. Ich meine, ich will in meiner Freizeit auch nicht unbedingt mit Stuhlgang oder Erbrochenem zu tun haben. Aber bei der Arbeit ist das komplett anders. Man sieht es mit anderen Augen und denkt gar nicht mehr so drüber nach. Und wenn es Dinge gibt, die man wirklich nicht machen kann oder will, dann sind immer Kollegen da, die einem helfen! Ich weiß, es heißt oft Altenpflege ist nur „Popo abwischen“, aber so ist es nicht! Und wenn wir’s machen, dann ist es auch nicht so schlimm. Wollte das nur mal ansprechen… 🙂

Schicksale

Hallo! Ich möchte euch heute von einer Bewohnerin in dem Wohnbereich erzählen, in dem ich zurzeit arbeite. Durch einen Apoplex (einen Schlaganfall) ist sie linksseitig gelähmt und kann deshalb auch nur noch sehr verwaschen sprechen. Jedoch ist sie vollkommen klar und sich ihrer Umgebung bewusst. Wenn sie etwas erzählt, muss ich genau hinhören, um sie zu verstehen. Sie fragt, was ich zurzeit in der Schule mache oder wann ich endlich meinen Führerschein schaffe (bin durchgefallen!). In ihrem Nachtschrank hat sie immer Bonbons und die schenkt sie Pflegekräften, die sie besonders mag. Auch ich hab schon ’ne Menge davon abbekommen. 🙂 Wenn ich, so wie jetzt, längere Zeit in der Schule bin, fragt sie die andern auch, wie es mir geht oder lässt einen schönen Gruß ausrichten.

Schicksale 2

Hey, ich will euch mal von einem tollen Kontakt aus meinem früheren Wohnbereich erzählen. Als ich noch auf der Schwerstpflege-Station gearbeitet habe, hab ich oft eine bestimmte Bewohnerin versorgt. Sie war bettlägerig, demenzkrank und konnte nicht mehr sprechen. Ich wusch sie und half ihr beim Trinken und Essen. Wenn es ihr gut genug ging, setzten wir sie in den Rollstuhl. Trotz ihrer Demenzerkrankung hatte ich das Gefühl, dass sie genau versteht, was geschieht. Sie hatte immer einen sehr aufmerksamen Blick und hat alle im Raum genau beobachtet. Am schönsten war es, wenn sie sich über eine Sache gefreut hat. Da hatte sie ein ganz breites, strahlendes Lächeln im Gesicht. Das war richtig schön! Wenn ich Zeit hab, geh ich manchmal zu ihr hoch ins Zimmer und schau nach, wie es ihr geht. Und wenn es nur für 5 Minuten ist.

Rückblick

Hallo zusammen! Mein erstes Ausbildungsjahr ist jetzt vorbei und im September geht’s dann weiter mit dem zweiten. Es gibt viele Dinge, die sich dann ändern. So ist es z. B. im 2. Jahr üblich, dass Azubis die sonst stationär arbeiten, für ca. 2-3 Monate in der ambulanten Pflege mitfahren. Ich bin im März dran. Bei welchem ambulanten Pflegedienst ich arbeiten möchte, kann ich mir selber aussuchen. Im ambulanten Pflegedienst versorgt man alte Menschen, die noch zu Hause wohnen, aber trotzdem Unterstützung benötigen. Das können kleine Dinge sein wie Insulin spritzen oder kochen, aber auch z. B. eine Ganzkörperwäsche. Außerdem lernt man im 2. Ausbildungsjahr wie man bei Diabetikern den Blutzucker misst und Insulin spritzt. Oder auch wie man Infusionen legt und intravenöse Infusionen vorbereitet, die nur der Arzt legen darf. Unterscheidet sich in dem Bereich also gar nicht so großartig von der Krankenpflege im Krankenhaus! Liebe Grüße! Lisa

Vorbereitung auf den Praxisvortrag

Hallo ihr da draußen, am 25.5., also am Dienstag, findet mein 3. Praxisauftrag statt. Diesmal geht es um Prophylaxen, also um vorbeugende Maßnahmen. Wir konnten uns eine aussuchen, die wir unserer Lehrerin an dem von uns ausgewählten Bewohner vormachen. Ich habe mich für die Pneumonieprophylaxe entschieden. Pneumonie bedeutet Lungenentzündung und Pneumonieprophylaxe sind Maßnahmen, die der Entstehung einer Lungenentzündung vorbeugen. Dazu gehören schon ganz einfache Dinge wie Pfeifen, Singen und Atemübungen. Morgen werde ich mit der Bewohnerin, die mitmacht, noch ein Lied aussuchen, das wir beide kennen. Zudem haben wir uns für eine Atemübung entschieden, bei der 5 Wattebausche auf den Tisch gelegt werden und man diese durch Pusten ans andere Ende des Tisches bringen muss. Man sieht: Praxisaufträge müssen nicht immer langweilig und anstrengend sein. 🙂

Schule und Beruf

Hallo ihr Lieben 🙂 , heute erzähle ich euch mal etwas über meine Schul- und Arbeitszeiten. Ich gehe in München zur Berufsschule und dort haben wir Blockunterricht. Das heißt, wir haben festgelegte Wochen im Jahr, in denen wir zur Schule müssen. Das kann mal eine Woche sein, aber auch bis zu vier oder mehr. Um nicht den Überblick zu verlieren, haben alle aus meiner Klasse einen Stundenplan für das ganze Jahr bekommen, damit wir wissen, zu welcher Zeit wir Schule haben. Diese Zeit wird dann auch mit in unserem Dienstplan eingeplant. Ein- bis zweimal in unserer Schulwoche haben wir bis 16.40 Uhr Schule, das ist ganz schön lange, wir haben jedoch nach jeder Stunde eine kurze Pause. Der Unterricht ist meistens auch ziemlich interessant, so geht die Zeit eigentlich schnell rum. Vor allem wenn man praktische Übungen in der Schule macht (sich z.B. gegenseitig lagern etc.). Die Arbeitszeiten können ganz schön variieren und man hat nicht wie in anderen Berufen eine 5-Tage-Woche. Es kann vorkommen, dass wir mal bis zu 6-7 Tage am Stück arbeiten, es können manchmal aber auch nur 2 Tage bis zum nächsten freien Tag sein. Das ist immer sehr ausgewogen und man hat genügend freie Tage, um sich zu erholen. Bei uns gibt es einen Früh-, Spät- und Nachtdienst. Als Schüler dürfen wir aber noch keinen Nachtdienst machen, weil man da alleine für eine Station zuständig ist. Unser Frühdienst beginnt um 6.30 Uhr und dauert bis ca. 14.30 Uhr. Der Spätdienst beginnt ca. 13-14 Uhr und geht bis um 20.30-21.00 Uhr. Ich hoffe, ich hab das so gut erklärt!

Das Leben im Heim

Hallo ihr da draußen 🙂 , Ich möchte euch etwas über den Wohnbereich erzählen, auf dem ich jetzt arbeite und die Station, auf der ich davor gearbeitet habe. Bei uns im Haus ist es üblich, dass die Schüler in den 3 Jahren Ausbildungszeit auf jedem Wohnbereich mal (4 bis 7 Monate) gearbeitet haben. Ich war seit August ’09 auf dem „Intensiv“-Wohnbereich in unserem Haus. Dort sind die meisten Bewohner bettlägerig. Außerdem gibt es einige Bewohner, die künstlich über eine PEG-Sonde ernährt werden, weil sie unter Schluckstörungen leiden. Zudem haben viele auch einen Blasenkatheter, aufgrund einer Blasenentleerungsstörung. Die Arbeit auf diesem Wohnbereich ist körperlich recht anstrengend, aber man lernt aufgrund der verschiedenen Krankheitsbilder sehr viel. Mir hat die Arbeit dort gut gefallen und ich habe immer Hilfe von den Kollegen bekommen, wenn ich welche brauchte. Anfang März ’10 bin ich auf den Wohnbereich 1 gewechselt. Dort sind viele Bewohner noch mobil, viele können sich selbst waschen, anziehen usw. Man gewöhnt sich auf einem anderen Wohnbereich sehr schnell an die Bewohner. Die meisten Mitarbeiter kannte ich ja schon vorher. Obwohl sich die zwei Wohnbereiche sehr voneinander unterscheiden, macht mir die Arbeit genauso viel Spaß! Eure Lisa

Der Praxisauftrag

Ich wollte euch ein bisschen von meinem nächsten Praxisauftrag erzählen, der am 10. März stattfindet. Also erstmal, was bedeutet „Praxisauftrag“? Meine Klassenlehrerin von der Berufsschule besucht an diesem Tag unser Heim, um eine bestimmte „Aufgabe“, die uns gestellt wurde, abzuprüfen. Das kann entweder etwas Theoretisches sein oder auch etwas Praktisches, z. B. einen Bewohner waschen. Die Termine bekommen wir ca. 2 bis 3 Wochen vorher, um uns darauf vorbereiten zu können.

Solche Aufträge bekommen wir ca. alle 4 bis 5 Monate. Da ich im 1. Ausbildungsjahr bin, ist das erst mein 2. Praxisauftrag. Ich muss meiner Lehrerin diesmal etwas über Hygiene und Sicherheit in unserem Haus erzählen. Das klingt vielleicht uninteressant, aber über sowas müssen wir im Altenheim auch Bescheid wissen. Wir müssen z. B. wissen, was in unseren Desinfektionsplänen drinsteht und wo sie überall aufgehängt sind. Aber auch, wer Sicherheits- und Hygienebeauftragter in unserem Heim ist, oder was es für Fortbildungen zum Thema Hygiene & Sicherheit in unserem Heim gibt. Zudem müssen wir aber auch über die Abfallentsorgung und Sicherheits- & Arbeitskleidung Bescheid wissen. Darauf bereite ich mich einmal mündlich vor und einmal schriftlich. Beides wird benotet und zählt als praktische Note in der Schule.

Demenz

Die Arbeit mit demenzkranken Bewohnern fand ich bisher am schönsten. Die Menschen waren so offen. Sie kamen immer auf mich zu und sprachen mich an. Das war wie eine Familie: immer was los, manchmal traurig, oft auch fröhlich.

Jetzt arbeite ich auf einer Station mit Menschen, die stärker körperlich behindert sind. Obwohl ich eher klein bin, kann ich schon einen Mann mit 100 Kilogramm hochheben – dafür braucht man weniger Kraft, sondern Technik. Trotzdem muss man schon fit sein, besonders im Frühdienst, wenn alle Bewohner gewaschen oder geduscht werden müssen und dann gleich Frühstückszeit ist. Auf der Behütenden Station war die Arbeit eher seelisch anstrengend, aber eben auch sehr schön.

Der Traum-Beruf?!

Das Beste an der Altenpflege ist für mich, dass wir so viel Nähe haben. Man ist mit den Bewohnern viel länger zusammen als zum Beispiel bei der Pflege im Krankenhaus. Da kann man eine richtige Beziehung aufbauen.

Für meine Zukunft habe ich noch keine genauen Pläne. Ich habe ja noch zwei Ausbildungsjahre vor mir. Vielleicht hole ich nach der Lehre mein Abi nach und studiere Medizin.

Rückblick

Meine Mutter ist hier im Heim Wohnbereichsleiterin auf der Behütenden Station. Dort betreut sie demenzkranke alte Menschen. Sie sind verwirrt und weglaufgefährdet, deshalb brauchen sie besondere Zuwendung.

Als ich in der 9. Klasse war, musste ich ein Praktikum machen. Ehrlich gesagt, aus Bequemlichkeit habe ich es hier im Heim gemacht, nicht aus Interesse. Damals dachte ich mir: irgendwie wirst du den Monat schon überstehen. Aber dann wurde ich überrascht, denn es hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich wusste sofort, dass ich weitermachen will. In der 10. Klasse habe ich dann schon auf 400-Euro-Basis hier mitgearbeitet. Dadurch habe ich ziemlich viel von der Arbeit mitbekommen und kenne schon verschiedene Stationen, obwohl ich erst im ersten Ausbildungsjahr bin.

Portraitfoto Peggy

Peggy

Es macht mir Spaß, etwas für die alten Menschen zu tun.

Man muss auf jeden Einzelnen eingehen, auf seine Stimmungen, sein Wesen. Was ich auch mag, ist die enge Zusammenarbeit in unserem Team. Hier sind viele junge Leute, aber auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen, von denen ich lernen kann und die mir weiterhelfen. Ich habe schon ziemlich klare Ziele: nach der Ausbildung möchte ich ein Jahr im Beruf arbeiten, dann eine Weiterbildung zur Wohnbereichsleiterin machen und später zur Pflegedienstleiterin.

Wie alles anfing? Es war irgendwann vor Silvester, ich war erst 2 Monate wieder zurück aus der Schweiz (dort habe ich ein Au-pair-Jahr gemacht), als mich die Mutti von meinem Freund fragte: „Könntest du dir vorstellen, ein Praktikum in der Altenpflege zu machen?“. Ich dacht mir nur, oh Gott, mit alten Leuten, den ganzen Tag nur „Popos sauber machen“. Aber da ich so ein Mensch bin, der alles ausprobieren muss, um sich ein Bild zu machen, war meine spontane Antwort: „Ja, ist okay, wann soll es losgehn?“

Am 5.1.09 war mein erster Praktikumstag. Als ich um 5 Uhr aufstand und die vielen Gedanken im Kopf hatte, was man halt alles so hört von der Altenpflege, fiel es mir sehr schwer, mit einem Lächeln dort hin zu gehen. Erst einmal sah ich nur zu. Dann durfte ich meine erste Bewohnerin selber betreuen, natürlich unter Aufsicht einer Altenpflegerin. Am Anfang hatte Angst vor dem engen Körperkontakt, es war echt schwer, das abzulegen, aber als ich dann fertig war und die Bewohnerin zufrieden in ihren Rollstuhl saß, war mir eins bewusst: Ich habe etwas Sinnvolles getan.

Dieses Gefühl war echt der Hammer, kaum vorstellbar.

Als ich am Nachmittag mit der Arbeit fertig war, besuchte ich eine Bewohnerin und lud sie ein, mit mir im Flur zu spazieren. Dabei erfuhr ich so viel von ihr, es war besser als jeder Geschichtsunterricht in der Schule, wo man eh immer gleich einschlafen könnte 🙂 . Ich konnte mir so ein gutes Bild von der Vergangenheit machen, es war echt was Besonderes, auch weil es mit soviel persönlichen Eindrücken geschildert wurde.

Und nun, 1 Jahr später, hab ich mit meiner Ausbildung als Altenpflegerin angefangen, worüber ich froh bin und sehr stolz auf mich, dass ich diese Möglichkeit bekommen habe.

Es macht mir Spaß, etwas für die alten Menschen zu tun. Man muss auf jeden Einzelnen eingehen, auf seine Stimmungen, sein Wesen. Was ich auch mag, ist die enge Zusammenarbeit in unserem Team. Hier sind viele junge Leute, aber auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen, von denen ich lernen kann und die mir weiterhelfen.

Ich habe schon ziemlich klare Ziele: nach der Ausbildung möchte ich ein Jahr im Beruf arbeiten, dann eine Weiterbildung zur Wohnbereichsleiterin machen und später zur Pflegedienstleiterin.

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